HAMBURG - Nach dem skandalösen Flaschenwurf von Paolo Guerrero ist beim Hamburger SV Feuer unterm Dach. Das Verhältnis zwischen Spielern und Fans ist belastet, Trainer Bruno Labbadia geschwächt und die Vereinsführung in der prekären Situation zu drastischem Handeln gezwungen. Dies zeigte sich auch am Ostermontag, als Guerrero Buße leistete: Statt des von vielen erwarteten Rauswurfs gab es für den Peruaner die höchste Geldstrafe der HSV-Geschichte von geschätzten 50  000 bis 100  000 Euro.

„Vereinsintern erhält er eine Geldstrafe, wie wir sie im Verein noch nie hatten“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Weitere vereinsinterne Sanktionen werde es nicht geben.

Bei der Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten zeigte sich Guerrero als reumütiger Sünder. „Ich möchte mich bei allen, denen ich geschadet habe, entschuldigen“, sagte der Angreifer, der noch in dieser Woche bei seinem Wurfopfer Abbitte leisten will.

Ausgestanden ist für Guerrero, dessen Aussetzer nach dem 0:0 am Sonntag im Duell gegen Hannover 96 das deutlichste Sinnbild für die HSV-Krise ist, die Sache aber noch nicht. Die drohende Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund steht nach seiner in deutschen Stadien bislang beispiellosen Attacke noch aus.

Vor dem Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/Sat  1) bei Standard Lüttich, in dem der HSV das 2:1 aus dem Hinspiel verteidigen will, muss die aufgeheizte Stimmung deeskaliert werden. „Es ist etwas passiert, was nicht passieren darf“, sagte Labbadia, „er ist extrem beschimpft worden, aber wir müssen dem standhalten.“

Mannschaft, Trainer und Vorstand hatten sich nach dem 0:0 mehr als eine halbe Stunde in der Kabine verschanzt, um den Eklat zu besprechen. Guerrero war durch den Stadion-Hinterausgang davongeschlichen und in seinem Ferrari geflüchtet.

Die schwache HSV-Leistung gegen Hannover hatte die Geduld der Fans strapaziert. Anschließend brachte Guerrero mit seinem unentschuldbaren Ausraster gegen einen Zuschauer das Fass zum Überlaufen. Unter dem Pfeifkonzert der Besucher soll ihn ein Fan auf den teureren Plätzen beschimpft haben. Der 26-Jährige feuerte daraufhin seine fast volle Trinkflasche in das Gesicht des Anhängers und wollte sogar auf die Tribüne klettern, um gegen den Mann Hand anzulegen. Teamkollege Joris Mathijsen hielt den Stürmer nur mit Mühe zurück und bugsierte ihn in die Katakomben.