HAMBURG - Als der Mannschaftsbus am Donnerstag kurz nach Mitternacht vom Stadionparkplatz auf die Hamburger Sylvesterallee einbog, winkten die Fußball-Profis des FC Fulham strahlend durch die leicht getönten Fensterscheiben ihren ihnen zujubelnden Fans zu. Nach dem 0:0 im Halbfinal-Hinspiel der Europa League beim HSV waren die Engländer samt und sonders zufrieden.
„Wir haben nun im eigenen Stadion alle Chancen, das Endspiel zu erreichen“, bilanzierte Fulhams Trainer Roy Hodgson und schob süffisant lächelnd in Richtung seines HSV-Kollegen Bruno Labbadia hinterher: „Den HSV erwartet bei uns im Craven Cottage die Hölle.“
Das hat gesessen. Denn in dem altehrwürdigen FFC-Stadion unweit des Themse-Ufers im Südwesten von London gewann in der laufenden Europa-League-Saison noch kein Gegner. „Wir sind sehr torgefährlich“, legte Hodgson nach: „Das hat man in der zweiten Halbzeit gesehen.“
Die Hamburger standen nach dem Abpfiff dagegen nachdenklich auf dem Rasen. Was ist das 0:0 vor dem Rückspiel am kommenden Donnerstag (21.05 Uhr/Sat 1) wert? „Wir haben kein Tor bekommen“, bemühte sich Innenverteidiger Jerome Boateng, das Positive aus der schwachen Nullnummer seiner Mannschaft herauszuziehen. Als Mutmacher schob er hinterher: „Auswärts sind wir immer für ein Tor gut.“
Die Faktenlage sieht allerdings anders aus. In drei von vier Pflichtsspielen in Folge traf keiner der HSV-Stürmer. Superstar Ruud van Nistelrooy reibt sich im offensiven Mittelfeld auf, Paolo Guerrero ist fast so außer Form wie der Schwede Markus Berg, und Mladen Petric spielt trotz einer leichten Verletzung.
Im Rückspiel ist dann auch noch der einzige Spieler, der beim HSV derzeit eine Leistungssteigerung verzeichnet, gesperrt. Piotr Trochowski sah seine dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb. „Es ist natürlich sehr bitter, dass ich nicht dabei bin“, sagte der Nationalspieler. „Aber in diesem Zweikampf musste ich handeln, sonst wäre er durch gewesen“, verteidigte er sein Foul in der Nachspielzeit an Fulhams Damien Duff.
Die Hoffnungen ruhen nun auf Mladen Petric. Dank einer „Wunderheilung“ nach einem Muskelfaserriss, den der Kroate sich Mitte der vergangenen Woche zugezogen hatte, meldete er sich am Donnerstagmorgen fit und brachte nach seiner Einwechslung in der 72. Minute für Guerrero wenigstens etwas Gefahr.
Ob Petric auch an diesem Sonntag (15.30 Uhr) im Ligaspiel bei 1899 Hoffenheim antritt, ist dagegen fraglich. „Das müssen wir sehen“, sagte Labbadia gewohnt kryptisch. Am liebsten würde er seinen Stürmer schonen. Aber dann würde auch das Saisonziel Platz sechs weiter in Gefahr geraten. Denn im Kampf um einen Europa-League-Platz zählt in Hoffenheim nur ein Sieg.
Petric steht jedenfalls bereit: „Wir haben es in den vergangenen Wochen nicht geschafft, die Leistung aus der Europa League in die Bundesliga zu retten“, sagt er: „Diesmal wollen wir es schaffen.“
