Hamburg - Bakery Jatta ist im Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig gefeiert worden wie Lionel Messi nach einem Hattrick. Wie der Linksaußen des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV am Dienstagabend den Ball erkämpfte und ihn aus knapp 30 Metern über Leipzigs Torhüter Peter Gulasci hinweg zum zwischenzeitlichen 1:1 ins Tor schlenzte, war sehenswert und riss die knapp 53 000 Zuschauer im Volksparkstadion von den Sitzen.

„Ich sah, dass der Torwart nicht auf der richtigen Position stand. Also habe ich einfach geschossen“, meinte der 20-jährige Gambier verlegen. Geholfen hat es nichts: Die Hamburger verloren am Ende nach Toren von Leipzigs Yussuf Poulsen (12. Minute) und Emil Forsberg (72.) sowie einem Eigentor von HSV-Verteidiger Vasilije Janjicic (53.) mit 1:3. RB schaffte damit erstmals den Einzug ins DFB-Pokalfinale und sorgte für die erste große Titelchance des erst seit zehn Jahren bestehenden Emporkömmlings.

Doch auch ohne Pokalfinale in Berlin wird Jatta seinen Weg gehen. Er ist eine Urgewalt. Der größte Trumpf des bulligen Linksaußen ist seine Geschwindigkeit. Mit Ball rennt er in Riesenschritten seinen Gegenspielern davon. Wenn er an seiner Technik feilt und die Präzision bei Hereingaben vors Tor erhöht, dürfte er wohl nicht mehr lange bei den Hamburgern zu halten sein.

Bislang hat er vier Saisontore in der 2. Liga erzielt und eines im Pokal. Der Flüchtling, der sich 2015 aus seiner Heimat nach Deutschland durchschlug und über das Erlebte auf dem gefährlichen Weg nach Europa nicht sprechen möchte, ist ein Wunderkind. Nie zuvor habe er, der ohne Eltern aufgewachsen ist, bei einem Verein Fußball gespielt, berichtete er. Damit fing der Instinkt-Fußballer erst in Deutschland an.

Für die Hamburger geht es an diesem Wochenende weiter mit dem Spitzenspiel der Zweiten Liga. Der Zweite Hamburg muss am Sonntag (13.30 Uhr) beim Tabellenvierten Union Berlin antreten. Beide Teams sind in der Liga zuletzt fünfmal sieglos geblieben und wollen in die Erfolgsspur zurückfinden, um ihre Aufstiegschancen zu festigen.

Ungeachtet des Aufstiegs trägt der HSV auch in der kommenden Saison seine Heimspiele im Volksparkstadion aus. Investor Klaus-Michael Kühne hat sich mit dem Club auf eine Verlängerung des seit vier Jahren bestehenden Vertrages geeinigt, teilte der HSV am Mittwoch mit. Über die Höhe der Summe, die Kühne für die eine Saison zahlt, wurde Stillschweigen vereinbart. Bislang hat der 81-jährige Milliardär vier Millionen Euro pro Spieljahr gegeben. „Auch wenn dem HSV schon seit vielen Jahren der sportliche Erfolg versagt blieb, möchte ich unverändert Beiträge leisten, um die finanziellen Voraussetzungen für die Rückkehr in die 1. Bundesliga zu schaffen“, sagte Kühne.