HAMBURG - Mirko Slomka strich sich nachdenklich über das Kinn. Von der Tribüne aus sah sich der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover  96 den 2:1 (1:1)-Sieg des Hamburger SV im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen Standard Lüttich an. „Ich habe Löcher in der Abwehr gesehen“, kommentierte er die Leistung des HSV, bei dem die abstiegsgefährdeten Niedersachsen an diesem Sonntag (17.30 Uhr) ums Überleben kämpfen.

Die erneut wackelige Hamburger Abwehr war aber nur die halbe Wahrheit. Denn auch Slomka, der den Stadionbesuch in das Sondertrainingslager der 96er in Bad Segeberg eingebaut hatte, dürfte die Leistungssteigerung des Tabellensechsten nicht entgangen sein. Denn nach dem 0:1 durch Dieudonne Mbokani (30. Minute) zeigte der HSV eine lang vermisste Moral.

„Die Reaktion der Mannschaft auf den Rückstand war überragend“, lobte Ruud van Nistelrooy. Dank seines Siegtores (45.) – Mladen Petric hatte nur drei Minuten zuvor per Foulelfmeter ausgeglichen –, dürfen die Hamburger ihren Traum vom Endspiel im eigenen Stadion weiterträumen. „Wir glauben, dass es möglich ist, den Titel zu gewinnen“, sagte van Nistelrooy.

Das Selbstbewusstsein ist nach einer turbulenten Woche mit Krisensitzung und Trainerkritik zurückgekehrt. Im Gegensatz zum peinlichen 0:1 vergangenen Sonntag in Mönchengladbach zeigten die Hamburger sich läuferisch, spielerisch und kämpferisch wie ausgewechselt. Vor allem Jonathan Pitroipa anstelle des formschwachen Piotr Trochowski brachte viel Schwung. „Das Gespräch hat dazu beigetragen, dass wir einen anderen HSV gesehen haben“, betonte Petric.

HSV-Trainer Bruno Labbadia sparte dagegen ein wenig mit dem Lob. „Die Mannschaft hat dieses Erfolgserlebnis gebraucht“, gestand er. Der 44-Jährige legte aber gleich wieder den Fokus auf das Heimspiel gegen Hannover: „Sie muss das jetzt gegen 96 aber fortsetzen.“

Auch Kapitän David Jarolim nahm seine Kollegen in die Pflicht: „Wir müssen gewinnen, egal wie“, forderte er, vor allem die Tormöglichkeiten konsequenter zu nutzen: „So viele Chancen wie gegen Lüttich bekommen wir gegen die tief stehenden 96er nicht.“

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)