HAMBURG - Thorsten Fink hat lange die schützende Hand über seine Profis gehalten. Doch nun haut er beim gebeutelten Hamburger SV mit der Faust auf den Tisch. „Man sieht, dass die Mannschaft eine gewisse spielerische Qualität hat. Man sieht aber auch, dass sie sich zu schnell zufrieden gibt“, monierte der HSV-Trainer vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Hannover 96 an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) die zur Selbstüberschätzung neigende Haltung einiger Spieler.

Die entlarvende 0:4-Pleite in Hoffenheim hat Fink die Augen geöffnet – er kündigte personelle Konsequenzen an und will im Abstiegskampf nur auf Profis mit der richtigen Einstellung bauen. Das Nordderby wird für die HSV-Mannschaft zum Charaktertest. „Es wurde schon des Öfteren Tacheles geredet. Ich erwarte jetzt eine klare Reaktion“, forderte Fink.

Anders als in den Wochen zuvor hat auch er seinen tief im Abstiegssog steckenden Profis die Fähigkeit abgesprochen, den Ernst der Lage erkannt zu haben. Und für seinen Sinneswandel erhält der laut Sportchef Frank Arnesen weiter unumstrittene Coach die volle Rückendeckung der Clubspitze. „Der Trainer muss an den richtigen Stellschrauben drehen“, sagte Vereinschef Carl-Edgar Jarchow. „Personell sollten wir uns auf Spieler konzentrieren, die den Abstiegskampf begriffen haben.“

Hannover hat in den vergangenen acht Jahren nur einmal in Hamburg verloren. Überhaupt hat 96 dem großen HSV längst den Rang als Nummer eins im Norden abgelaufen. So sehen es mittlerweile auch die Gäste-Spieler. „Das ist für uns eine gute Möglichkeit zu punkten“, sagte Verteidiger Karim Haggui kess und verdeutlichte damit die veränderten Kraftverhältnisse.

„Auf dem Papier sind wir Favorit, aber es wird schwer, weil der HSV unbedingt gewinnen muss. Wir müssen leichte HSV-Fehler erzwingen und sie dann nutzen“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka: „Alle wissen, dass uns ein Punkt oder ein Sieg die Tür nach Europa weiter öffnet.“