HAMBURG - Kniffliger Kuranyi-Konflikt, schwierige Sechser-Suche und viele mehr oder weniger gut gemeinte Ratschläge: 74 Tage vor dem WM-Start und keine sechs Wochen vor Bekanntgabe seines Kaders belasten Joachim Löw nicht nur Personalprobleme in praktisch allen Mannschaftsteilen.
Die öffentliche Forderung nach einer Begnadigung von Bundesliga-Torjäger Kevin Kuranyi kommt für den Bundestrainer als weiterer Problempunkt zum unpassendsten Zeitpunkt. Während fast ganz Fußball-Deutschland von Franz Beckenbauer bis Felix Magath das Südafrika-Ticket für den Schalker fordert, zog sich der DFB-Chefcoach am Montag mit seiner Entourage zur Klausur zurück.
In München will Löw drei Tage mit Trainerstab und Teammanager Oliver Bierhoff über die heiße Vorbereitung auf das WM-Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli debattieren.
Kein Kommentar zu Kuranyi, hieß die Botschaft der Stunde des Bundestrainers. „Es gibt von uns zu vielen Personalien klare Aussagen, die wir nicht ständig wiederholen müssen“, ließ Löw schon in der Vorwoche verlauten.
Die kategorisch abgelehnte Rehabilitierung des 28-Jährigen könnte Löw auch noch kurzfristig vor der WM-Nominierung in der Bundesliga-Finalwoche Anfang Mai vornehmen. Viel mehr lasten auf Löw die großen Verletzungssorgen.
Wie eng das Korsett fürs WM-Turnier ist, machen die aktuellen Blessuren von Marcell Jansen und Sami Khedira deutlich, obwohl beide nicht einmal fixe Kandidaten für die erste Elf zum WM-Start am 13. Juni gegen Australien wären.
Thomas Hitzlsperger ist auch bei Lazio Rom außer Form, Simon Rolfes verletzt und Torsten Frings aussortiert. Fällt auch der Stuttgarter Khedira aus, hätte Löw auf der Sechser-Position nur noch Michael Ballack.
Mit seinen Personalentscheidungen hatte Löw im WM-Jahr bislang überhaupt kein Glück. Kaum hatte Frings den Laufpass bekommen, begann die „Sechser-Seuche“. Und Torwart Rene Adler patzte erstmals, als ihm die Nummer 1 zugesichert war.
Und die Probleme im Sturm sind schon chronisch. Das Trio Miroslav Klose, Mario Gomez, Lukas Podolski ist verletzt oder weit von der Bestform entfernt. Nur Cacau deutete zuletzt WM-Reife an – und eben Kuranyi.
