HAMBURG - Wenn Bruno Labbadia zu seiner morgendlichen Runde um die Hamburger Alster aufbricht, versucht der 44-Jährige Ruhe zu finden. Die Gedanken fließen, der Schweiß auch. Die Welt ist für wenige Momente in Ordnung. In letzter Zeit scheint die Vergangenheit jedoch schneller zu sein als der Trainer des Hamburger SV. Sie holt ihn immer wieder ein.

Die Parallelen zwischen seiner am Ende erfolglosen Amtszeit bei Bayer Leverkusen und seiner aktuellen Tätigkeit beim HSV sind unverkennbar. Erneut droht Labbadia zu scheitern.

Starker Saisonstart, zwischenzeitliche Tabellenführung, Hoffnungen auf die Champions League, sogar Titelträume – so war es bei Bayer, so war es beim HSV. Leverkusen schaffte in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit dann nur noch vier Siege und rutschte auf Rang neun.

In Hamburg läuft es nicht besser. Bisher holte Labbadia mit seinem Team magere drei Erfolge in der zweiten Saisonhälfte. Im Klassement steht derzeit der sechste Platz. Die Qualifikation für das internationale Geschäft ist in großer Gefahr. So weit die Zahlen.

Doch auch die Gründe für die statistischen Armutszeugnisse scheinen sich zumindest in Teilen zu gleichen. Bei Bayer waren die Gräben zwischen Mannschaft und Trainer am Ende nicht mehr zu überwinden. In einer geheimen Abstimmung votierten die Profis fast geschlossen gegen den ungeliebten Labbadia.

In Hamburg scheint das Innenverhältnis inzwischen ebenfalls gestört. Von Arroganz des Trainers, zu großer Detailversessenheit und mangelnder Kommunikation ist zu hören.

„An unserem Ziel hat sich nichts geändert. Wir wollen mit Bruno Labbadia mittelfristig etwas aufbauen. Das gilt auch jetzt noch. Aber wir sind nicht davor gefeit, dass Diskussionen entstehen, wenn der Erfolg ausbleibt“, sagte Hoffmann.

Schon Labbadias Vorgänger Huub Stevens und Martin Jol hatten in den vorangegangenen Jahren mit zwischenzeitlichen Höhenflügen die Hoffnungen auf die ganz großen Coups genährt, um sich mit dem HSV dann gerade noch für den Europapokal zu qualifizieren. Sollte auch Labbadia wenigstens dieses noch gelingen, könnte er seiner Vergangenheit vielleicht doch davonrennen.