HAMBURG - Ohne Fingerspitzengefühl und Souveränität hat Trainer Bruno Labbadia Torhüter Frank Rost gemaßregelt und damit für einen weiteren Brandherd beim Hamburger SV gesorgt. Wegen eines unangemeldeten Kinobesuches ist es vier Tage vor dem wichtigen Europa-League-Halbfinale gegen den FC Fulham zu einem heftigen Streit in der Kabine zwischen dem 44-jährigen Coach und dem nur acht Jahre jüngeren Keeper gekommen.
Rost trat daraufhin am Sonntag aus dem Mannschaftsrat des Bundesliga-Siebten zurück. Das war meine eigene Entscheidung und Konsequenz aus einer durch den Trainerstab so bewerteten Disziplinlosigkeit meinerseits, teilte der Torwart auf seiner Internetseite mit.
Rost hatte am Freitagabend vor dem verlorenen Spiel gegen Mainz 05 (0:1) für sich und fünf weitere Spieler einen Kinobesuch organisiert, diesen aber nicht beim Trainer angemeldet. Der Schlussmann räumte ein, damit einen disziplinarischen Verstoß begangen zu haben. Die Mannschaft hatte wie immer vor Heimspielen im Hotel Grand Elysee Quartier bezogen, das lediglich 350 Meter vom Kino am Hamburger Dammtor entfernt ist.
Als jemand, der großen Wert auf Disziplin legt und diese auch von seinen Mitspielern einfordert, übernehme ich die Verantwortung für mein Handeln, schrieb Rost, der nicht wollte, dass auch noch seine Mitspieler ins Gebet genommen werden.
Der Bruch zwischen Trainer und Torwart verschärft die Krise beim HSV. Der Verein ist erstmals aus dem oberen Tabellen-Drittel abgerutscht und hätte so in der nächsten Saison keinen internationalen Startplatz. Nun ist alles auf das Halbfinal-Hinspiel in der Europa League an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/Sat 1) ausgerichtet.
Um das Saisonziel internationaler Wettbewerb zu retten, bedarf es dreier exzellenter Spiele in der Europa League, meinte der Clubvorsitzende Bernd Hoffmann. Auf die Frage, ob die internationalen Auftritte die schlechten Leistungen im Liga-Alltag verdecken würden, sagte er: Wenn wir das Finale gewinnen, ist das die erfolgreichste Saison seit dem DFB-Pokalsieg 1987.
Sein Kommentar zum Thema Trainerwechsel lautete: Hier wird nichts kaschiert. Wir können nichts schönreden. Aber was soll das bringen? Der Trainer hat die Mannschaft ins Halbfinale geführt und ich gehe davon aus, dass das noch weitergeht.
