HAMBURG - Die Niederlage war ein Rückfall in alte Zeiten. Der HSV präsentierte sich wie ein Absteiger.
Von Olaf Ulbrich
HAMBURG - Zu viel Euphorie wirkt oft lähmend – das hat Fußball-Bundesligist Hamburger SV am Sonnabend beim 2:4 (0:3) gegen den VfB Stuttgart schmerzlich gespürt. Nach sieben Spielen ohne Niederlage schrammte das Team von Huub Stevens nur knapp an einem Debakel vorbei. „Ich bin froh, dass wir in einem Spiel vier Tore bekommen haben und nicht verteilt auf mehrere“, versuchte der Niederländer verbal zu retten, was noch zu retten war. Doch auch er musste konstatieren: „Das Team stand geistig überhaupt nicht auf dem Platz.“„Wenn man zu viel Lob bekommt, kann so etwas unbewusst passieren“, erklärte der Coach den desolaten Auftritt seiner Mannschaft. Vor dem Anpfiff machte noch die Rede vom Erreichen des UI-Cups die Runde in der mit 57 000 Zuschauern ausverkauften WM-Arena. Dies änderte sich, als Cacau (10.), Sami Khedira (13.), Roberto Hilbert (27.) und Fernando Meira (51.) die Gäste 4:0 in Führung gebracht hatten. „Vier Kopfball-Tore! Das darf uns nicht passieren“, schimpfte Stevens angesichts des drohenden Debakels, das David Jarolim (66.) und Ivica Olic (76.) gerade noch in Grenzen hielten.
Beinahe verspielte der HSV seine gute Ausgangsposition im Abstiegskampf. Von allen Teams, die unten stehen, verfügen die Hamburger über das beste Torverhältnis (+1), das im Falle von einer Punktgleichheit den Ausschlag über Sein oder Nichtsein geben könnte. „Wir müssen ganz schnell wieder die Form erreichen, die wir vor dem Spiel hatten“, meinte Stevens im Hinblick auf die Partie am Freitag (20.30 Uhr) beim Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. „Wir müssen die Köpfe wieder hoch nehmen“, appellierte Torwart Frank Rost an seine Kollegen.
Die Niederlage gegen Stuttgart bedeutete ein Rückfall in alte Zeiten. Der HSV präsentierte sich wie ein Absteiger. Das Mittelfeld war kaum vorhanden; Disziplin auf dem Feld: Fehlanzeige; im Angriff lief es wie gewohnt nicht; der beim 1:0 gegen Wolfsburg noch überragende Mehdi Mahdavikia war ein Totalausfall; die zuletzt so hoch gelobte Defensive wackelte an allen Ecken und Enden. „Wir sind gar nicht in die Zweikämpfe gekommen“, sagte Rechtsverteidiger Collin Benjamin. „Wer so spielt, wird bestraft“, ergänzte Rost.
Auch der Trainer selber griff vor der Partie zweimal zu den falschen Karten. Anstatt den erfahreneren Alexander Laas aufzustellen, vertraute er erneut Änis Ben-Hatira. Überfordert auf dem Feld, sah der 18-Jährige nach einem Foul die Rote Karte (34.) – ebenso wie Stuttgarts Thomas Hitzlsperger (43.). Auch Sturmspitze Boubacar Sanogo spielte unterirdisch. Der für ihn eingewechselte Olic wirkte dagegen frischer und abgeklärter – der Kroate wird eben nur selten hoch gelobt.
