HAMBURG - Als Heung Min Son am Sonnabend gegen 17.30 Uhr in der Interviewzone des Hamburger Stadions erschien, tat dem schmächtigen 19-Jährigen von den vielen Umarmungen fast ein bisschen der Oberkörper weh. „Ich war schon nach 20 Minuten platt und konnte nicht mehr“, sagte der Stürmer des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV schnaufend.

Der Südkoreaner schoss mit seinem Tor in der 12. Minute nach einem tollen Solo den ersten Heimsieg des HSV in der Rückrunde heraus. Der 1:0-Erfolg gegen Hannover 96 war der verdiente Lohn eines aufopferungsvollen Auftritts und einer kämpferisch starken Leistung der Hamburger, die sich im Abstiegskampf etwas Luft verschafft haben.

„Das war ein geiles Tor, es ist wie ein Traum“, sagte Son. Nach einem Alleingang umkurvte er die 96-Abwehrspieler wie Slalomstangen und schoss den Ball aus 15 Metern zum Siegtor ein. „Ich wollte das Tor genauso schießen“, beteuerte er: „Ich habe richtig Spaß gehabt.“

Die Leistung von Son war übertragbar auf die des HSV. In der vergangenen Zeit steckte das Talent, das seit der B-Jugend für den HSV spielt und lange im Internat in Ochsenzoll wohnte, in einer Krise. Er wurde oft kritisiert. Am 16. Oktober 2011 gegen Freiburg hatte Son sein letztes Tor erzielt. Nun gelang der Befreiungsschlag. Er sprintete unermüdlich, war vorne wie hinten zu finden – und das galt für das gesamte Team.

„Man hat gesehen, dass meine Mannschaft Abstiegskampf kann“, betonte Trainer Thorsten Fink. Dennoch beschlich ihn die Sorge, dass die engagierte Vorstellung nur ein Strohfeuer war. „Ich bin gespannt, ob wir dieses Gesicht auch nächste Woche wieder zeigen“, sagte der 44-Jährige mit Blick auf die Partie am Sonnabend (15.30 Uhr) in Nürnberg. „Wir können ein bisschen feiern, dann müssen wir aber weiter hart arbeiten“, forderte auch Son.

Hannover präsentierte sich dagegen schwach. „So reicht es nicht für Europa“, sagte der überragende Torwart Ron-Robert Zieler, ohne den 96 wohl 0:4 verloren hätte.