Hamburg - Trainer Markus Kauczinski weg, Manager Uwe Stöver weg – Tabula rasa bei St. Pauli. Mit dem personellen Kahlschlag auf seiner sportlichen Führungsebene hat der Kiezclub für einen Tag sogar den schlagzeilenträchtigen Stadtrivalen vom Hamburger SV in den Schatten gestellt.
Den neuen Trainer lieferte St. Pauli beim großen Stühlerücken gleich mit: Der Niederländer Jos Luhukay, im deutschen Fußball bekannt von diversen Stationen in 1. und 2. Liga, übernimmt beim Tabellensechsten. Geschäftsführer Andreas Rettig kümmert sich interimsmäßig bis zum Saisonende um die Aufgaben von Stöver. Luhukay und Rettig werden auf einer Pressekonferenz am Donnerstag öffentlich vorgestellt.
Im Sinne des Vereins
„Im Sinne des FC St. Pauli halten wir diesen Schritt für notwendig, um die Saison sportlich erfolgreich zu beenden und die Weichen für die neue Saison stellen zu können“, begründete Vereinspräsident Oke Göttlich die weitreichenden Personal-Entscheidungen beim Kiezclub. Und tatsächlich: Angesichts von gerade einmal vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz ist für den Stadtteilclub sogar der Aufstieg in die Bundesliga noch drin.
Ein vernünftiger Saisonabschluss wurde dem bisherigen Führungsduo nach zuletzt vier Spielen ohne Sieg (ein Punkt, 1:10 Tore) offensichtlich nicht mehr zugetraut.
Kauczinski, der wie Stöver seit Herbst 2017 für St. Pauli arbeitete, konnte das Team in den letzten anderthalb Jahren nicht entscheidend weiterentwickeln. Fortwährend wurde die Arbeit des Gelsenkircheners in der Hansestadt von Kritik begleitet, nach Rang zwölf in seiner Premierensaison wurde ihm die fehlende Konstanz nun zum Verhängnis.
Aufstiegs-Experte
Dafür soll nun Luhukay sorgen. Der 55-Jährige, der im Dezember 2018 beim englischen Zweitligisten Sheffield Wednesday nach knapp einem Jahr entlassen worden war, gilt als Experte in Sachen Bundesliga-Aufstiege. Mit Borussia Mönchengladbach (2008), dem FC Augsburg (2011) und Hertha BSC (2013) gelang ihm jeweils der Aufstieg in die Bundesliga, als Co-Trainer schaffte er dieses Kunststück mit dem FC Köln sogar zweimal.
Luhukays bislang letztes Engagement in Deutschland liegt allerdings schon ein wenig zurück. Im Sommer 2016 übernahm er den gerade abgestiegenen VfB Stuttgart. Doch nach nur vier Spielen und internen Querelen trat der Niederländer entnervt zurück.
