Hamburg - Dunkelblauer Anzug, Club-Schal, optimistisches Lächeln: Marcell Jansen gibt sich am Ende seines Wahlkampfes fast staatstragend. Am Samstag will der Ex-Nationalspieler neuer Präsident des Hamburger SV werden – doch er muss sich namhafter Konkurrenz stellen.

„Lasst uns mit starker Stimme sprechen und als Einheit auftreten, lasst uns zeigen, wie groß die HSV-Familie ist“, schreibt der 33-jährige Ex-Profi der Hamburger in den sozialen Netzwerken. Doch vor der Richtungsentscheidung entbrannten erneut Lagerkämpfe, es geht um Macht und Eitelkeiten.

Jansen ist bei der Mitgliederversammlung ab 11 Uhr einer von drei Kandidaten, die dem eingetragenen Verein vorstehen wollen. Auch der ehemalige Schatzmeister Ralph Hartmann strebt in das Ehrenamt, für Aufsehen sorgt aber vor allem die Kandidatur von Jürgen Hunke. Der 75-jährige Unternehmer hat eine bewegte Geschichte im Club.

Hunke war von 1990 bis 1993 bereits Präsident und später Mitglied des Aufsichtsrates. In dieser Funktion war er 2011 auch an der Entlassung von Bernd Hoffmann als Clubchef beteiligt. Jener Hoffmann, der vor einem Jahr zum Präsidenten des e.V. gewählt wurde, das Amt im September 2018 aber niederlegte – um als neuer Vorstandsboss über den Kurs beim Fußball-Zweitligisten in der ausgegliederten AG zu entscheiden.

„Die Jahre 2019 und 2020 werden für den HSV die wichtigsten Jahre der Geschichte des Vereins“, meinte Hunke laut „Hamburger Abendblatt“. Der HSV sei in einer „prekären finanziellen Verfassung und ich halte es für notwendig, dass die besten Leute im Verein bei der Bewältigung der Probleme helfen“. Damit meint er wohl sich.

Vorstandsboss Hoffmann würde dem Vernehmen nach eher eine Wahl Jansens bevorzugen, der seine Profikarriere mit 29 Jahren beendet hatte. Seit 2015 engagiert er sich als Unternehmer und zog im Februar 2018 in den Aufsichtsrat der HSV Fußball AG ein. Neben einem Gewinn an Einfluss würde der neue Posten für Jansen aber auch deutlich mehr Verantwortung bedeuten. Mit rund 87 000 Mitgliedern ist der Club der siebtgrößte Verein in Deutschland – die Verbindlichkeiten von mehr als 85 Millionen Euro bei den Profifußballern bereiten vielen Mitgliedern aus anderen Abteilungen Sorgen.