Hamburg/Köln - Beim Hamburger SV glimmt das letzte Fünkchen Hoffnung, der 1. FC Köln hat den Glauben schon fast verloren. Die beiden Gründungsmitglieder stehen kurz vor dem Abstieg aus der Erstklassigkeit. Auch wenn die Rettung für beide Clubs rechnerisch noch immer möglich ist, trauert die Fußball-Bundesliga schon jetzt um ihre Urgesteine.
„Natürlich würde der HSV fehlen. Er ist nicht nur ein Traditionsverein. Er steht auch für einen klasse Fußball, den der HSV in verschiedenen Epochen gespielt hat“, sagte Bayern-Trainer Jupp Heynckes am Freitag: „Das gleiche kann ich auch über den 1. FC Köln sagen. Das war immer eine große Rivalität mit Gladbach. Das ist auch sehr schade. Die Kunst im Fußball ist es aber auch, ein gutes Niveau zu halten.“
In dem 1. FC Köln und Hamburger SV würde der Bundesliga eine Menge Prestige fehlen. Beide Vereine gehören zu den beliebtesten des Landes. Die Hamburger haben mehr als 78 000 Mitglieder, Köln sogar über 100 000. In der Vergangenheit waren beide fleißige Titelsammler. Zusammen vereinen sie unter anderem neun deutsche Meisterschaften und sieben Pokal-Siege. Doch diese Zeiten sind sehr lange her.
Die Hamburger, denen der erste Abstieg der Vereinsgeschichte droht, kämpfen nun schon seit fünf Jahren gegen die Zweitklassigkeit. Zweimal konnte sich der Dino erst über die Relegation retten. Hinzu kamen etliche Trainerwechsel – seit 2013 waren es neun. Im Hamburger Volkspark kehrte in den letzten Jahren selten Ruhe ein. Auch jetzt sind wieder viele Fragen offen: Wer wird neuer Clubchef? Wer folgt auf Jens Todt als Sportdirektor? Darf Trainer Christian Titz bleiben?
Sogar der Erzfeind aus Bremen würde den HSV vermissen. Zumindest Werders Ex-Manager Willi Lemke. „Aus kaufmännischer Sicht ist das fatal. Mit Sicherheit wird der Bundesliga etwas fehlen“, sagte er: „Der Name HSV hat immer die Massen angezogen.“ Es sieht danach aus, als ob sich die Bremer auf zumindest ein Jahr ohne Nordderby einstellen müssen: Auch wenn die Hamburger mit einem Sieg gegen den SC Freiburg an diesem Samstag (15.30 Uhr) ihren Rückstand auf den Relegationsplatz auf fünf Zähler verkürzen können, ist der erste HSV-Abstieg sehr wahrscheinlich.
Der FC bleibt derweil seinem Motto „Spürbar anders“ treu. Vor einem Jahr feierten die Kölner noch den Einzug in die Europa League, nun steht der sechste Abstieg der Vereinsgeschichte unmittelbar bevor. Doch die Kölner sind bereits gewappnet, die Führungsriege steht.
In Trainer Markus Anfang, der zur neuen Saison Stefan Ruthenbeck ablöst, wurde auch der letzte fehlende Baustein gefunden. Manager Armin Veh ist bereits seit Dezember im Amt, nachdem Jörg Schmadtke seinen Vertrag aufgelöst hatte. „Wir werden um die letzte Möglichkeit kämpfen“, sagte Ruthenbeck vor dem Heimspiel des Schlusslichts gegen Schalke 04 an diesem Sonntag (18 Uhr).
