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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Hamburger Publikum bejubelte Lothar Matthäus

15.11.2011

OLDENBURG - Den Wert dieses Geschenks erkannte ich anfangs überhaupt nicht. In dem wichtig aussehenden Brief, den ich im Frühjahr 1988 am Tag meiner Konfirmation in den Händen hielt, stand etwas von „Bescheinigung über das Anrecht auf Erwerb“ und ähnlich sperriges Zeug, mit dem ein 14-Jähriger nichts anzufangen weiß. „Mann, das sind Karten-Gutscheine“, sagte mein damals 20-jähriger Cousin Heiner, der mir den Brief gerade im Namen seiner Eltern als Geschenk überreicht hatte: „Karten fürs EM-Halbfinale! Am 21. Juni in Hamburg! Wir beide fahren da hin!“

1988, lange bevor es Kartenbestellungen im Internet gab, verschickte das Organisationskomitee der Fußball-EM in Deutschland bei Zusagen kompliziert klingende Briefe. In denen wurde im feinsten Behördendeutsch der 80er-Jahre nahezu perfekt verschleiert, worum es ging. Die Karten selbst gab es dann erst kurz vor dem Spiel.

Dass es im EM-Halbfinale um ganz, ganz viel gehen sollte, wurde Heiner und mir erst im Verlauf der Vorrunde bewusst. Denn aus der trocken klingenden Bezeichnung „Sieger Gruppe 1 - Zweiter Gruppe 2“ aus dem Brief wurde das Spiel Deutschland - Niederlande. Den Gruppensieg von Deutschland hatten wir ja erwartet, als Gegner aber eher England oder die UdSSR vermutet. Denn hinter den hoch gehandelten Niederländern mit ihren Stars Ruud Gullit, Ronald Koeman, Frank Rijkaard und Marco van Basten ging es für die Konkurrenten in der Gruppe 2 doch eigentlich nur um Platz zwei. Doch den Gruppensieg holte sich überraschend die UdSSR, und so standen die Niederländer als Gruppenzweiter im Halbfinale von Hamburg.

Auf dem Weg zum Spielort, der damals Volksparkstadion hieß, schwärmte Heiner immer wieder von der Bedeutung der Partie: München 74, Deutschland gegen Holland, Neeskens per Elfmeter, dann Breitner und Müller, wir wurden Weltmeister, und hier und heute wollen die Niederländer Revanche – und so weiter. Die Vorfreude stieg, zumal uns die vielen tausend orange gekleideten Fans des Gegners beeindruckten. Irritiert war ich nur von der brasilianischen Flagge, die Heiner mitschleppte. „Zum einen mag ich den brasilianischen Fußball. Und zum anderen können wir uns so bei der Zusammenfassung im Fernsehen leichter auf der Tribüne wiedererkennen“, erklärte er mir.

Von der – spielerisch sehr schwachen – Partie selbst ist wenig in Erinnerung geblieben. Irgendwann fiel der junge deutsche Stürmer Jürgen Klinsmann im Strafraum hin und es gab Elfmeter. Lothar Matthäus verwandelte zum 1:0 und wurde lautstark bejubelt – vermutlich das einzige Mal, dass ihm in einem norddeutschen Stadion Sympathien entgegen schwappten. Koeman glich später per Elfmeter aus, und kurz vor Schluss war van Basten dann schneller am Ball als sein Gegenspieler Jürgen Kohler – 2:1 für die Gäste, das war der Endstand. Deutschland war raus, die Niederländer holten vier Tage später den EM-Titel.

Der machtlose deutsche Torwart hieß übrigens Eike Immel. Das ist mir erst viele Jahre später wieder eingefallen, als er in einer Dschungel-Show bei RTL mitmachte. Mit der Partie gegen die Niederlande war seine Karriere im Nationalteam nämlich vorbei, er wurde von Bodo Illgner verdrängt. Und die brasilianische Flagge? Die habe ich bis heute in keiner TV-Zusammenfassung des Spiels entdeckt.

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