Hannover - Das mutige Experiment mit Trainer-Nobody Tayfun Korkut droht zu scheitern. Der glücklose Coach von Hannover 96 musste mit einem Megafon auf einen Zaun klettern, um aufgebrachte Fans zu beruhigen. Mehr als 1000 Anhänger warfen aus Wut über die bittere 0:3-Pleite im Derby bei Eintracht Braunschweig Böller, Flaschen und Eier in Richtung Trainer und Team.
„Ich hatte keine Angst. Es war wichtig, dass wir schnell mit unseren Fans kommunizieren“, erläuterte Korkut die Fan-Revolte am Sonntagabend. Nach vier Niederlagen liegen nicht nur bei den Anhängern die Nerven blank. Auch in der Führungsetage wächst angesichts des mageren Zwei-Punkte-Polsters die Angst vor dem Bundesliga-Abstieg. „Wir müssen eine Wagenburg-Mentalität schaffen“, erklärte Manager Dirk Dufner nach dem Montag-Training. Er stand gemeinsam mit Korkut Rede und Antwort.
Als „völlig inakzeptabel“ hatte Martin Kind die katastrophale Leistung des Teams im Prestigeduell bezeichnet. Für den mächtigen Clubchef ist auch die 2. Liga ein völlig inakzeptables Szenario. Kind wird deshalb alles daran setzen, um den Abstieg zu verhindern. Ein zweiter Trainerwechsel in dieser Saison ist nicht auszuschließen. Korkut soll aber die verunsicherte 96-Mannschaft (29 Punkte) auch im nächsten Abstiegskrimi gegen den Tabellen-16. Hamburger SV (27) an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) betreuen. Beim HSV, der auf Milan Badelj (Muskelfaserriss im linken Oberschenkel) verzichten muss, sitzt pikanterweise sein Vorgänger Mirko Slomka auf der Bank.
„Korkut drückt die richtigen Knöpfe“, versicherte 96-Kapitän Lars Stindl. Fünf Punkte aus den vergangenen zehn Spielen sind aber keine gute Bilanz für den sympathischen Bundesliga-Neuling. Kind und Dufner hatten Korkut am Silvestertag überraschend verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet. Der Zorn der Anhänger richtete sich in erster Linie nicht gegen den Trainer. Sie skandierten „Kind muss weg“ oder „Dufner raus“ und beschimpften die Profis.
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius verurteilte die Fan-Revolte am Montag. „Der Einsatz von Pyrotechnik, wie hier das Werfen von Bengalos in Richtung Trainer, Spieler und Polizeikräfte, ist kriminell und nicht zu tolerieren“, sagte Pistorius.
