HANNOVER - Er hätte seine technischen Kabinettstückchen gerne in Hannover gezeigt, ließ Bremens Fußballstar Diego ausrichten. Doch Werder-Trainer Thomas Schaaf wollte seinen Regisseur vor dem wichtigen Spiel in Wolfsburg nicht freigeben. So ging die Premiere des TV- und Kino-Spots gegen Rassismus am Montag ohne den brasilianischen Dribbelkünstler über die Bühne.

„Diego ist glücklich und sehr stolz“, sagte Werders Mediendirektor Tino Polster vor den zahlreichen Premieren-Gästen im Hochhaus-Kino der Landeshauptstadt. Der Bremer ist einer von vier Bundesliga-Spielern, die in dem Kurzfilm für mehr Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit mitwirken. Die anderen sind Guy Demel vom Hamburger SV, Marcelinho vom VfL Wolfsburg und Robert Enke von Hannover 96. Der Nationaltorwart ließ es sich nicht nehmen, die Spots persönlich vorzustellen. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bedankte sich bei Enke und überreichte ihm die erste fertige DVD. Der Minister lobte die „hervorragende und einmalige Unterstützung“ der Spieler und deren Vereine. „Ich habe das sehr gerne gemacht“, erklärte Enke. „Das Ergebnis ist phantastisch.“ Der Torwart kam in Begleitung von 96-Präsident Martin Kind.

Der 25 000 Euro teure Spot, der im Auftrag des Ministeriums produziert wurde, zeigt die vier Fußballer in den letzten, aufwühlenden Sekunden vor einem Spiel. Die Gesichter sind angespannt, das Herz pocht, alle vier Streifen sich ihre Trikots über, dann schreiten sie durch den Kabinengang zum Spielfeld. „Es gibt kein afrikanisches, europäisches, südamerikanisches, helles oder dunkles Herz. Bei allen schlägt es aus der selben Leidenschaft“, heißt es.

Die zentrale Botschaft des Kurzfilms ist: Fußball verbindet mit Herz gegen Rassismus. Er wird in vielen Kinos, im Fernsehen und in den norddeutschen Bundesliga-Stadien zu sehen sein. „Der beste Weg, aktiv gegen rassistische Entwicklungen anzugehen, ist immer noch die Köpfe und die Herzen der Menschen zu erreichen“, sagte Schünemann. Dies schaffe der Film auf beeindruckende Weise. Beim Publikum kam der eine Minute und zwanzig Sekunden lange Spot gut an. Viel Applaus gab es von einer eigens eingeladenen Jugendmannschaft aus Hannover, die Spieler aus zwölf Nationen in ihren Reihen hat.

Der Fanforscher Gunter Pilz warnte davor, die Probleme mit Rassismus in den Stadien zu unterschätzen. „Sie sind nach wie vor da.“ Pilz kritisierte, dass Vereine, die nichts tun, eine Sogwirkung auf fremdenfeindliche Fans ausübten.