HANNOVER - HANNOVER - Es war zum Abschluss noch einmal ein rauschendes Fest. Bis tief in die Nacht zogen feiernde Franzosen durch die Innenstadt von Hannover, schwenkten blau-weiß-rote Fahnen und stimmten immer wieder ihren Anfeuerungsruf „Allez les bleus“ an. Auch die im Achtelfinale unterlegenen Spanier ließen den Kopf nicht hängen und intonierten rund ums Kröpcke ihr „E viva España“. Noch weit nach Mitternacht erreichte der Lärmpegel in der City Rekordwerte.
Die Fußball-WM ist in Hannover zu Ende. Nach fünf Spielen und zweieinhalb Wochen Dauerfete kehrte in der Landeshauptstadt am Mittwoch wieder so etwas wie Ruhe ein. Die Cafes und Restaurants waren nicht so gut gefüllt wie an den Vortagen, und nur noch vereinzelte Schlachtenbummler unterschiedlichster Nationen zogen mit ihren Trikots, Schals und Fahnen durch die City. Betriebsamkeit herrschte nur im WM-Stadion, das keines mehr ist. Hektisch wurde dort gebohrt, geschraubt und gehämmert. Der Umbau begann bereits unmittelbar nach dem letzten Abpfiff. Am Freitag muss die Fifa die Arena wieder an Hannover 96 übergeben.
Die Bilanz der Verantwortlichen fiel durchweg positiv aus. Zehntausende von Fans feierten fröhliche und friedliche Fußball-Partys, in Hannover herrschte WM-Euphorie und Lebensfreude pur. Besonders die „Heimmannschaften“ Italien, Polen, Mexiko, Schweiz und Spanien prägten das Bild mit ihren zahlreichen, bunten und lautstarken Anhängern. Fans, Veranstaltern und selbst den Sicherheitskräften zauberten die feiernden Fans aus aller Welt ein Dauerlächeln auf die Gesichter.
„Dass es so friedlich ablaufen würde, haben wir nicht erwartet“, sagte Polizeipräsident Hans-Dieter Klosa. Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD) ist sich sicher: Hannover hat sich als „großartiger Gastgeber“ präsentiert. Auch Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lobte die gute Stimmung in der Leinestadt.
Die WM hat Hannover, das stets ein wenig mit dem Image einer „grauen Maus“ zu kämpfen hat, spürbaren Auftrieb verschafft. Es werde auch etwas großzügiger eingekauft, sagte der Geschäftsführer des niedersächsischen Einzelhandel-Verbandes, Ullrich Thiemann. Vor allem bei den Spielen der deutschen Mannschaft ließen sich die Hannoveraner von der Feierlaune der Gäste anstecken.
Nicht nur die zahlreichen Biergärten platzten aus allen Nähten. Drei Stunden vor Anpfiff waren die letzten Plätze besetzt. Imbissbuden-Besitzer können sich über den Andrang nur freuen: 300 000 Getränke, davon etwa zwei Drittel Bier, wurden bisher verkauft. Außerdem gingen 35 000 Würstchen, 30 000 Pizzas, 35 000 Fleischspieße und 20 000 Portionen Gyros weg.
Mehr als 300 000 Menschen tummelten sich beim Fanfest vor der Großbildleinwand. Und die Party geht weiter: Am Freitag erwarten die Veranstalter bis zu 40 000 Besucher bei der Übertragung des Viertelfinales. Sogar eine zweite Leinwand wurde in aller Eile beschafft.
