Hannover - Martin Kind hat keine guten Erinnerungen an den 27. April 2017. An die vielen Anträge gegen seine Übernahmepläne bei Hannover 96. An die hoch emotionalen Diskussionen, bei denen die Gesprächskultur zeitweise erheblich litt. Nun droht dem millionenschweren Unternehmer ein schmerzliches Deja-vu – am Donnerstag ist wieder Mitgliederversammlung bei dem Fußball-Bundesligisten.
Und die Fronten sind weiter verhärtet. Zwei Tage vor dem Liga-Duell mit Bayern München an diesem Samstag (15.30 Uhr) geht der 73-Jährige erneut in den Zweikampf mit der verbissen kämpfenden Opposition.
Kind erwarten erneut Attacken gegen seine Person. Sein Vorhaben, mithilfe einer Ausnahmeregelung von der 50+1-Regel die Mehrheit bei dem Traditionsclub zu übernehmen, trifft bei etlichen Mitgliedern weiter auf Ablehnung. Kinds Antrag ruht zwar derzeit, weil er die Entwicklung einer möglichen Neugestaltung der Investorenregel seitens der Deutschen Fußball Liga (DFL) abwartet.
Doch die Scharmützel an der Leine gehen ungebremst weiter. Neun Anträge sind beim Club eingegangen, die unter der Mitgliederschaft nun zur Abstimmung stehen – darunter auch einer auf Satzungsänderung. Demnach soll künftig die Mitgliederversammlung als oberstes beschließendes Organ des Vereins fungieren und der Vorstand an die Entscheidungen gebunden sein – ein Vorschlag, der Kind und Co. gar nicht gefällt.
Die Interessensgemeinschaft Pro Verein berichtete von einer angeblichen Email, in der die Mitglieder vom Vorstand der 96er zur Ablehnung des Antrags aufgefordert worden seien. „Das zeugt nicht von Souveränität, wenn man meint, die eigentlich der Mitgliederversammlung vorbehaltene Erörterung bereits vorher – und vor allem einseitig – durchführen zu wollen“, teilten die Kind-Gegner mit. Sie befürchten einen Ausverkauf ihres Clubs und des gesamten Fußballs. Kind betont zwar stets, dass 96 nicht in die Hände von Investoren aus Fernost oder aus den arabischen Ländern fallen werde. Doch von sachlichen Auseinandersetzungen haben sich beide Seiten mittlerweile ein gutes Stück entfernt.
Der Club ist längst aus dem Gleichgewicht geraten. Die Stimmung im Stadion ist schlecht. „Das kotzt mich echt an und das macht keinen Spaß“, polterte Manager Horst Heldt im Februar. Die Personalie des früheren Schalke-Managers könnte auch am Donnerstag von Bedeutung sein. Kind hatte angekündigt, dass der 48-Jährige noch im April zum Geschäftsführer befördert werden soll. Die Mitgliederversammlung wäre ein passender Zeitpunkt zur Verkündung.
