HANNOVER - Protest gegen Spielerverpflichtungen, offener Affront gegen Clubpräsidenten und chaotische Entscheidungen bei Mitgliederversammlungen: Aufmüpfige Fans wollen immer verstärkter Einfluss auf die Vereinspolitik der Fußball-Bundesligisten nehmen. Einige Experten sprechen bereits von einer „neuen Macht der Fans“. Dem widerspricht Fan-Forscher Gunter Pilz.

„Daran ist überhaupt nichts neu. Die Ultras etwa verstehen sich seit jeher als politisch mündige Fans und wehren sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs“, sagte der Professor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover.

Statt das zunehmende Engagement der Fans als Bedrohung wahrzunehmen, empfiehlt der Wissenschaftler den Clubs, stärker auf ihre Anhänger zuzugehen. „Die Clubs sollten nicht nur auf Sponsoren hören“, sagte Pilz: „Sie sollten glücklich sein, dass sich Fans einbringen. Man muss mündige Fans ernst nehmen. Ultras und Supporter stellen häufig Forderungen, die nachvollziehbar, aber aufgrund der Zwänge im Profi-Fußball nicht immer umzusetzen sind. Hier ist ein Dialog zwischen Vereinen und Fans gefordert.“

Problematisch werde es allerdings, wenn, wie im Fall der Münchner Fan-Gruppe „Schickeria“, ein kleiner Teil der Fans versuche, Druck auf die Clubs auszuüben. „Es wäre das fatalste Zeichen, wenn sich Vereine erpressbar machten. Hier muss man den Fans Grenzen aufzeigen, die Rote Karte zeigen“, forderte Pilz. Die Gruppierung hatte massiv Stimmung gegen einen Transfer von Nationaltorhüter Manuel Neuer gemacht, zudem war Bayern-Präsident Uli Hoeneß von Teilen der Fans als „Lügner“ diffamiert worden.

Klar von diesem Phänomen zu trennen sei jedoch die zunehmende Gewaltbereitschaft einiger weniger Fans. Seit einigen Jahren beobachte man das Aufkommen einer „jugendlichen Gewalt-Event-Kultur“, so Pilz: „Ultras, aber auch die einfachen Fans müssen sich stärker von den Krawallmachern distanzieren.“