HANNOVER - Vor 152 Tagen wusste Babak Rafati keinen Ausweg mehr. Gequält von Depressionen versuchte der Schiedsrichter seinem Leben ein Ende zu setzen. Fünf Monate später hat der Deutsch-Iraner den unsichtbaren Feind besiegt und plant sein neues Leben – ohne die Krankheit. Der 41-Jährige wird aber wohl nicht als Schiedsrichter in die Bundesliga zurückkehren.
„Es war ein Glücksfall, dass ich rechtzeitig Hilfe bekommen habe“, sagte Rafati. Einer seiner Lebensretter war sein Friesoyther Kollege Frank Willenborg, der für dieNWZ
bei Schiedsrichter- und Regelfragen als Experte fungiert. Der 32-jährige Referee des SV Gehlenberg/Neuvrees (Kreis Cloppenburg) fand am 19. November 2011 vor der Bundesliga-Partie des 1. FC Köln gegen Mainz 05 mit den beiden weiteren Assistenten Patrick Ittrich und Holger Henschel den stark blutenden Rafati mit aufgeschnittenen Pulsadern in dessen Hotelzimmer. Das Gespann leistete umgehend erste Hilfe und rief den Notarzt. „Ich bin froh, dass ich überlebt habe“, bedankte sich Rafati.Gemeinsam mit Dr. Michael Hettich, Chefarzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Wahrendorff, kämpfte Rafati viele Wochen gegen die Depression. Auf Drängen seines Anwalts begab sich der gelernte Bankkaufmann in stationäre Therapie bei dem anerkannten Fachmann.
Erst Anfang März wurde Rafati aus der Klinik entlassen. Anschließend machte er mit seiner Freundin Rudabeh, die er noch in diesem Jahr heiraten möchte, einen dreiwöchigen Asien-Urlaub – um „Abstand zu gewinnen“. Auch in Zukunft wird Rafati regelmäßig von seinem Arzt betreut. Offen ist, ob er in seinen Job als Filialleiter bei der Sparkasse zurückkehren wird.
Dagegen scheint ein Comeback als Bundesliga-Schiedsrichter ausgeschlossen. „Sobald es seine gesundheitliche Situation zulässt, würden wir uns über ein Gespräch mit ihm freuen“, sagte Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen im Deutschen Fußball-Bund: „Jetzt aber zählt allein eine gesunde Zukunft von Babak Rafati, für die wir ihm von Herzen alles Gute wünschen.“
