HANNOVER - Nur etwas mehr als ein Jahr ist es her, als Mirko Slomka die vernichtend klingenden Worte über Jan Schlaudraff aussprach. Wenn er spielen will, sollte er darüber nachdenken, sich einem anderen Club anzuschließen, lautete die unmissverständliche Botschaft von Hannovers Trainer an den damals ungeliebten Stürmer. Schlaudraff war nur noch als Trainingsteilnehmer geduldet, bei einem Fußball-Bundesligisten, der als Abstiegskandidat galt.
Knapp 13 Monate später spielt Hannover 96 nach einer nicht für möglich gehaltenen Bundesliga-Saison in der Europa League und Schlaudraff ist einer der Garanten für den Erfolg und einer der beliebtesten 96-Profis in Hannover. Mehr noch: Der Verein möchte den am Saisonende auslaufenden Vertrag mit dem einst aussortierten Spieler verlängern.
Wir wollen versuchen, es weiterzuführen, sagte Manager Jörg Schmadtke. Es hat bereits ein paar Vorgespräche gegeben. So schnell kann es im Fußball gehen. 96-Clubchef Martin Kind hatte im Sommer vor einem Jahr sogar öffentlich bekundet, dass Schlaudraff nie mehr für 96 spielen solle. Jetzt würde er am liebsten ganz schnell seine Unterschrift unter einen neuen Kontrakt setzen. Was er damals angemahnt hat, war das Preis-Leistungs-Verhältnis, sagte Schmadtke nun zu Kinds damaliger Forderung. Der im Sommer 2008 von Bayern München geholte Schlaudraff gilt als einer der Großverdiener in Hannover.
Nicht nur der Club hat sich in einem sportlich unerwartet erfolgreichen Jahr verändert, auch der Ex-Nationalspieler hat sich gewandelt. Der 28-jährige Offensivspieler, der vor zwölf Monaten nur auf der Tribüne sitzen durfte, ist einer der Leistungsträger. Einer, der das Gesicht der Mannschaft prägt und in entscheidenden Situationen den Unterschied ausmachen kann. So wie bei seinen beiden Toren im ersten Europa-League-Playoff gegen den FC Sevilla oder wie bei seinem filigranen Freistoß beim Bundesliga-Heimstart gegen Hoffenheim.
Am erstaunlichsten ist wohl Schlaudraffs mentaler Wandel. Nach zwei schlechten Spielzeiten mit Zwangseinsätzen in der zweiten 96-Mannschaft stand der Stürmer vor dem Scherbenhaufen einer hoffnungsvollen Karriere. Es fand sich vor 13 Monaten kein Club, der Schlaudraff haben wollte. Schlaudraff scheint damals begriffen zu haben, dass Hannover seine letzte Chance sein könnte.
