Köln - Nur der Auftakt war vielversprechend. Mit einem sehenswert herausgespielten Tor startete Hannover 96 in die Partie beim 1. FC Köln. Die Vorbereitung von Leo Bittencourt und die Hereingabe von Miiko Albornoz auf den einköpfenden Joselu erinnerten in der 5. Minute an die hohen Ansprüche des Fußball-Bundesligisten, der den Europapokal als Saisonziel ausgegeben hatte.
Doch es war so ziemlich die einzige 96-Szene, die beim 1:1 (1:1) am Rhein für gehobenes Niveau stand. Nicht nur beim Ausgleich von Anthony Ujah (17.) zeigte Hannover, warum die Mannschaft längst in den Abstiegskampf verwickelt ist. „Wir hatten andere Ziele, das ist gar keine Frage“, räumte Clubchef Martin Kind nach dem enttäuschenden Remis ein: „Jetzt haben wir eine Situation, mit der wir uns auseinandersetzen müssen.“
Für Auseinandersetzungen hatte in den vergangenen Tagen auch die Kölner Fangruppe „Boyz“ gesorgt. Eine Woche nach der Randale in Mönchengladbach, als eine Gruppe Vermummter den Platz gestürmt hatte, blieb es beim Spiel gegen Hannover am Sonnabend allerdings friedlich. Dafür sorgte das Thema jedoch am Freitag bei der Begegnung VfB Stuttgart gegen Borussia Dortmund (2:3) für Unruhe. Aus Solidarität mit der vom 1. FC Köln ausgeschlossenen Fangruppe hatten Dortmund-Anhänger ein Transparent mit der Aufschrift „Je suis Boyz Köln“ im Stadion aufgehängt.
„Es ist geschmacklos, die Opfer auch noch zu verunglimpfen und zu verhöhnen“, sagte Borussen-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der „Bild am Sonntag“. Davon distanziere sich der BVB entschieden. Dies sei eine Frechheit.
Mit dem Spruch „Je suis Charlie“ war weltweit der Opfer des Terroranschlags auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im Januar gedacht worden. Befürchtungen, dass es auch beim Spiel gegen Hannover 96 zu unliebsamen Solidaritätsbekundungen mit den vom Club mit Stadionverbot belegten „Boyz“ kommen könnte, bewahrheiteten sich nicht. „Ich bin glücklich darüber, dass wir eine wirklich gute Stimmung im Stadion hatten“, sagte Kölns Manager Jörg Schmadtke. Er erwartet nun zwar harte Sanktionen, aber auch eine Strafe mit Augenmaß vom Deutschen Fußball-Bund (DFB).
Unterdessen haben die „Boyz“ den Verein scharf kritisiert und beschwerten sich über „kollektive Bestrafungen“. „Die Hälfte der Mitglieder unserer Gruppe war in Mönchengladbach nachweislich nicht im Stadion“, hieß es in einer Stellungnahme.
