HANNOVER - Babak Rafati (41) hat sein Schweigen gebrochen. Sechs Tage nach seinem Suizidversuch in einem Kölner Hotel stellte der Schiedsrichter über seinen Anwalt Sven Menke am Freitag klar, die „tatsächlichen Beweggründe“ seiner Tat lägen in einer „Depressionserkrankung“. Keine privaten Gründe, auch keine familiären Probleme hätten ihn vergangenen Sonnabend zu seiner Verzweiflungstat getrieben.
„Es ist ein dringendes Anliegen von Herrn Rafati, diesen falschen Eindruck zu korrigieren“, teilte Menke schriftlich mit. „Im persönlichen Empfinden von Herrn Rafati wurde vor allem ein wachsender Leistungsdruck für ihn als Schiedsrichter und der damit verbundene mediale Druck in Kombination mit der ständigen Angst, Fehler zu machen, zu einer immer größeren Belastung“, heißt es weiter.
Dieser Belastung habe sich Rafati, der im Fachmagazin „Kicker“ von den Bundesliga-Profis dreimal zum schlechtesten Schiri gewählt worden war, am Ende nicht mehr gewachsen gefühlt. „Von den behandelnden Ärzten wurde bei Herrn Rafati in den vergangenen Tagen eine Depressionserkrankung diagnostiziert“, teilte der Anwalt mit.
„Es ist ein wichtiger und richtiger Schritt von Babak Rafati, sich dieser Krankheit zu stellen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen“, erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Wir wünschen ihm jetzt viel Ruhe und Kraft für seine Genesung und werden ihn mit all unseren Möglichkeiten unterstützen.“ Rafati stünden selbstverständlich auch die Hilfsangebote der Robert-Enke-Stiftung zur Verfügung, die sich mit dem komplexen Krankheitsbild Depressionen beschäftige, so der DFB weiter.
Die Stiftung wurde nach dem Tod von Robert Enke gegründet. Der Nationaltorwart von Hannover 96 hatte lange an Depressionen gelitten. Seine Erkrankung war erst nach seinem Suizid vor zwei Jahren bekanntgeworden.
Bei Rafati seien die mit einer Depression „einhergehenden Symptome“ vor etwa anderthalb Jahren erstmals aufgetreten und hätten sich zuletzt verstärkt, teilte Anwalt Menke mit. Am vergangenen Sonnabend hatte Rafati vor seinem Einsatz beim dann abgesagten Spiel Köln gegen Mainz versucht, sich das Leben zu nehmen. Seit seiner Entlassung aus einem Kölner Krankenhaus ist der 41-Jährige in stationärer Behandlung. „Er hat sich in fachärztliche Behandlung begeben, um die Ursachen therapieren zu lassen. Wie lange dies dauern wird, ist derzeit nicht absehbar“, schrieb sein Anwalt.
Rafatis Ziel sei, wieder als Schiedsrichter tätig zu sein. Der Schiedsrichter-Chef beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), Ex-Referee Herbert Fandel, hatte in dieser Woche Rafatis Zukunft als Unparteiischer als offen bezeichnet. Fandel hatte zudem den öffentlichen Druck auf die Schiedsrichter kritisiert. Der ehemalige Weltschiedsrichter Markus Merk hatte dem scharf widersprochen und davor gewarnt, die Referees „künftig in Watte zu packen“.
