Hannover - Mit ernster Miene und eindeutiger Befristung hat Martin Bader am Montag den Sechs-Spiele-Trainer Daniel Stendel vorgestellt. „Wir haben ganz klar formuliert, dass er bis zum Ende der Saison in der Verantwortung ist“, sagte der Geschäftsführer des Schlusslichts Hannover 96 bei der Präsentation des 42-jährigen Coaches: „Danach wird er seine Arbeit im Nachwuchsleistungszentrum wieder aufnehmen.“ Dass der Geschäftsführer selbst viel länger im Amt bleibt als der bisherige A-Junioren-Coach, wird in Hannover bereits angezweifelt.
„Auch Bader und Möckel droht das Aus“, schrieb die „Neue Presse“ aus der Landeshauptstadt am Montag. Martin Kind, Clubchef des Fußball-Bundesligisten, hatte am Tag zuvor auf einer Bühne die bisherige Arbeit von Bader und des Sportlichen Leiters Christian Möckel kritisiert: „Wir hatten alle Chancen im Winter, haben sechs Spieler verpflichtet und viel Geld in die Hand genommen. Wir hatten einen Punkt Rückstand, jetzt sind es zehn.“ Einem Besucher, der einen Neuaufbau „von oben bis unten“ forderte, antwortete Kind: „Ich stimme Ihnen zu.“
Baders Zukunft hängt wohl auch vom Erfolg des Kurzzeit-Trainers ab. Verliert Hannover weiter wie unter dem am Sonntag beurlaubten Thomas Schaaf und präsentiert sich das Team so teilnahmslos wie seit Monaten, dann dürfte auch Bader bald zur Geschichte des Clubs gehören.
An den Klassenverbleib des abgeschlagenen Tabellenletzten scheint auch der neue Coach nicht mehr zu glauben. „Die Tabelle können wir alle lesen“, sagte Stendel: „Das ist nicht das, was mich primär beschäftigt.“ Sein Ziel sei es nun, dass die verunsicherte Mannschaft „mit Herz“ und „mutig nach vorne spielt“ und dass sich die Fans wieder „mit der Mannschaft identifizieren“. Als mögliche Kandidaten für einen Neuanfang in der 2. Bundesliga gelten indes Hannovers Ex-Trainer Mirko Slomka und Clublegende Steven Cherundolo, der derzeit die U17 des Vereins betreut.
Angesichts von lediglich 17 Zählern und zehn Punkten Rückstand auf Relegationsrang 16 sind die Chancen auf den Klassenerhalt nur theoretischer Natur. Den Rekord, sich mit möglichst wenig Punkten in die Relegationsspiele des Bundesliga-Drittletzten gegen den Zweitliga-Dritten zu retten, hält der Hamburger SV. Das Team schaffte dies in der Saison 2013/14 mit nur 27 Zählern – und setzte sich dann gegen den Zweitligisten Greuther Fürth durch. Auf der anderen Seite musste Borussia Mönchengladbach 2010/11 mit 36 Punkten noch in die Relegation, in der die Mannschaft den VfL Bochum bezwang.
