Hannover/Wolfsburg - Überraschende Wende oder nächstes Kapitel in der Wechselposse um Horst Heldt? Der 48-jährige Manager von Hannover 96 wird nicht zum VfL Wolfsburg wechseln. Wie die 96er am Donnerstag mitteilten, sind sich beide Clubs bei den Ablöseverhandlungen nicht einig geworden. Der mächtige Präsident Martin Kind schob dem Transfer einen Riegel vor und pocht auf den Vertrag bis 2020.
„Nach einem intensiven, internen Austausch und Gesprächen zwischen Martin Kind und Verantwortlichen des VfL Wolfsburg ist die Entscheidung gefallen: Horst Heldt bleibt bei Hannover 96“, hieß es in einer Mitteilung von Heldts aktuellem Arbeitgeber einen Tag vor dem Bundesliga-Duell an diesem Freitag bei 1899 Hoffenheim (20.30 Uhr): „Das ergaben die Gespräche und Verhandlungen zwischen beiden Vereinen, in denen es zu keiner Einigung kam.“
Die extrem kurze Mitteilung, verkündet über die Vereinsmedien, überraschte ziemlich. Wolfsburger Medien hatten zuvor berichtet, dass Heldt im Anflug sei. Im Gegenzug stehe Olaf Rebbe, der bisherige Sportchef der Wolfsburger, die an diesem Samstag (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen den Hamburger SV eine ganz wichtige Partie haben, vor dem Aus.
Heldt hatte vor der neuesten Entwicklung mit dem VfL bis in die Abenddämmerung am Braunschweiger Flughafen verhandelt. Über zwei Millionen Euro Grundgehalt, dazu üppige Extraprämien – und das über drei Jahre. Als er nach dem Geheimtreffen mit den Wolfsburgern vom Hof brauste, war die Entscheidung offenbar gefallen. Heldt zieht es von Hannover in die Nachbarschaft.
Heldt soll ab Sommer als Geschäftsführer Sport den seit Jahren schlingernden VfL wieder nach oben führen – dieser Plan besteht womöglich noch immer. Doch daraus wird nun eine Hängepartie. Heldt soll sogar bereit gewesen sein, einen Teil der Ablöse selbst zu bezahlen. Doch das war offenbar nicht genug.
Heldt hatte bereits die Pressekonferenz der 96er am Mittwoch geschwänzt. Ob er am Freitag im Kraichgau dabei sein wird, ist völlig offen. In Hannover zerrt die Wechselposse um den Manager an den Nerven. „Es ist natürlich ein Thema in der Mannschaft, weil es auch die Zukunft jedes Einzelnen betrifft“, sagte 96-Trainer André Breitenreiter und stellte klar: „Es prallt an den Spielern nicht ab.“
Auch der Erfolgscoach, der Hannover im vergangenen Jahr in die Bundesliga zurückführte, gerät allmählich ins Grübeln. „Ich möchte schon sagen, dass mich natürlich die Gesamtsituation nachdenklich stimmt. Das möchte ich nicht verhehlen, das ist schon klar“, sagte Breitenreiter. Die Abgänge der Leistungsträger Salif Sané (Schalke 04) und Felix Klaus (Wolfsburg) stehen bereits fest.
Nach dem Dauerzoff mit den eigenen Fans hält 96 nun das Geschacher um Heldts Zukunft seit Wochen auf Trab. Zuletzt wollte Präsident Martin Kind seinen Sportchef in die Geschäftsführung hieven, um ihn zu halten. Doch Heldt, der schon im späten Herbst öffentlich mit einem Wechsel zum 1. FC Köln geliebäugelt hatte, lehnte ab.
