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NWZonline.de Sport Fußball

Hier stehen Mamas und Papas im Abseits

14.10.2015

Oldenburg „Spiel doch ab“ – „Schieß“ – „Mach alleine“: Wenn ihre Sprösslinge auf dem Fußballplatz auf Torejagd gehen, sind die engagierten Eltern am Spielfeldrand auch alle ein bisschen Trainer. Ab dieser Saison stehen sie jedoch nicht mehr in der ersten Reihe, sondern 10 bis 15 Meter im „Abseits“.

Hinter den Toren und an der Seitenlinie ist ab jetzt elternfreie Zone, die Mamas und Papas müssen einen Mindestabstand zum Spielfeld einhalten. In der Fairplay-Liga der Oldenburger F-Junioren ist das nun Gesetz. Die beiden anderen Grundregeln: Es wird ohne Schiedsrichter gespielt, und die Trainer schlichten nur im Notfall.

Kritik an zu Hohem Leistungsdruck

Die Fairplay-Liga baut auf den Grundsatzgedanken des DFB-Lehrbuches „Fußball von morgen, Kinderfußball“ auf. Dort wird die Entwicklung des Kinderfußballs verbunden mit einem zu hohen Leistungsdruck kritisch bewertet.

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Konzentration auf Ergebnisse und Tabellen. Es müsse stattdessen darum gehen, die Freude der Kinder am Spiel zu fördern, um Fehlentwicklungen zu vermeiden, heißt es.

    www.fairplayliga.de

„Die Fairplay-Liga ist Gold wert, da die Kinder Spaß am Fußball haben sollen, um sich ohne Störung von außen entwickeln zu können“, sagt Leif Paladini, F-Jugend-Trainer beim VfL Oldenburg. Denn bei aller Begeisterung der Eltern bleibt es nicht immer bei harmlosen Anfeuerungsrufen, gegen die niemand etwas einzuwenden hat. „Einige Eltern, aber auch Trainer neigen dazu, sich am Fußball der Erwachsenen zu orientieren und alles am Ergebnis festzumachen“, bemerkt Paladini. Übermotivation, Leistungsdruck und Konkurrenzdenken seien bei Sechs- bis Achtjährigen allerdings fehl am Platz.

„Das ist ein Pulverfass, es ist total überzogen, was im Kinderfußball regelmäßig passiert“, sagt Ralf Klohr. Als der Jugendleiter aus der Region Aachen vor gut zehn Jahren von einer Schlägerei nach einer Schiedsrichter-Entscheidung bei einem Jugendspiel hörte – bei aller Brisanz dennoch die Ausnahme - machte er sich Gedanken. Die Lösung hieß Fairplay-Liga. Sein Ansatz: „Die Erwachsenen müssen die Kinder einfach spielen lassen und so wenig wie möglich eingreifen.“

Da auf den Schiedsrichter verzichtet wird, entscheiden die jungen Akteure selbst über Einwurf, Eckball oder Freistoß. „Das stärkt ihre soziale Kompetenz und ihr Verständnis für das Spiel“, meint Paladini und setzt auf einen pädagogischen Effekt durch Respekt. „Dass dabei der Frechste siegt, habe ich bislang nicht beobachtet“, antwortet der Jugendtrainer auf eines der Gegenargumente.

Auch Klohr stieß zunächst auf Ablehnung, ließ sich aber nicht entmutigen. Vor vier Jahren wurde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf das Pilotprojekt aufmerksam und unterstützt seitdem die Idee. Ziel ist es, die mitunter erhitzten Gemüter zu beruhigen und für das Wesentliche des Kinderfußballs zu sensibilisieren. „Wir sind von dem Konzept überzeugt, mit dem wir im Vorjahr schon positive Erfahrungen in der G-Jugend gesammelt haben. Noch hat die Fairplay-Liga zwar nicht alle Sportplätze erreicht, aber das ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Andreas Aßmann, Vorsitzender des Jugendausschusses im Fußball-Kreis Oldenburg. Seiner Meinung nach wird somit weniger Druck auf den Nachwuchs ausgeübt. Aus demselben Grund werden bei den Jüngsten auch keine Ergebnisse und Tabellen veröffentlicht.

Selbst die Wissenschaft hat sich schon des Themas angenommen. „Mit der Fairplay-Liga wird den Kindern das Spiel zurückgegeben“, sagt Sportpsychologin Babett Lobinger von der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Kinder könnten das Spiel gut alleine regeln. Auf dem Bolzplatz funktioniere es ja auch. Dass es keine Schiedsrichter gebe, sei eher ein Problem der Eltern – aber die stehen ja jetzt weit genug weg.

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