Frankfurt - Mit einem breiten Grinsen schritt Mario Götze als letzter deutscher Spieler durch die Katakomben der Frankfurter Arena. „Die Dopingprobe hat fast länger gedauert als das Spiel“, sagte der 23-Jährige schmunzelnd. Vor allem hatte sie ihm aber deutlich mehr Probleme bereitet.

Im wichtigsten Länderspiel seit jenem, das ihn unsterblich gemacht hat – dem WM-Finale, das er mit dem einzigen Tor entschied – hatte Götze seine beste Leistung seit vielen Monaten gezeigt. Zwei Tore steuerte er zum 3:1 (2:1) gegen die damit als Tabellenführer der EM-Qualifikation abgelösten Polen bei.

Dass Götze, dessen Mentalität zuletzt manch einer infrage gestellt hatte, ausgerechnet im Nationaltrikot und nicht in dem des FC Bayern so aufdrehte, war kein Zufall. „Ich fühle mich wohl bei der Nationalmannschaft“, äußerte er vielsagend: „Es gibt schlechtere Tage.“ Solche hatte er in München zuletzt einige. Aber es sei „immer schön, wenn man Vertrauen spürt. Und das spüre ich grundsätzlich immer, wenn ich bei der Nationalmannschaft bin“. Aber offenbar nur dort.

Sogar der Dortmunder Mats Hummels (26) verband mit seinem Lob für den früheren Mitspieler eine Spitze nach München. „Mario steht etwas zu Unrecht in der Kritik“, sagte der Innenverteidiger: „Er ist ein großartiger Fußballer. Wir in Dortmund wissen das. Das sollten auch die anderen wissen.“

Bayerns Thomas Müller sagte, er freue sich für Götze, „dass er getroffen hat. Das war wichtig für ihn. Denn natürlich ist es nicht so leicht, wenn man öffentlich immer aufs Neue ein bisschen bei seinem Verein infrage gestellt wird.“ Bayern- und Nationaltorhüter Manuel Neuer verwies darauf, dass Götzes unterschiedliche Stellung in beiden Teams vielleicht ein wenig daran liege, „dass er für die Nationalelf das entscheidende Tor im WM-Finale geschossen hat und beim Bayern-Triple noch in Dortmund war“.

Münchens Trainer Pep Guardiola lobt Götze zwar stets als „super, super Spieler“, große Verwendung scheint er für ihn aber nicht zu haben. Vor allem dann, wenn es drauf ankommt. Bei Bundestrainer Joachim Löw hat Götze indes einen Stein im Brett. Seit dieser ihn im WM-Finale mit den Worten „Zeig der Welt, dass Du besser als Messi bist“ aufs Spielfeld geschickt hat, hält er bedingungslos zu dem sensiblen Hochbegabten. Nun ermutigte er ihn, sich im Verein durchzubeißen: „Ich habe ihm gesagt, er soll bei Bayern kämpfen. Es gibt immer Verletzungen, es kommen immer Chancen.“ Er selbst vertraue ihm, nicht zuletzt, weil „Mario Tore gegen starke Teams wie Brasilien oder Argentinien macht“.

Löw plant derweil für die Auswärtspartie an diesem Montag in Schottland (20.45 Uhr/RTL) mit der Erfolgself der Polen-Partie. „Veranlassung für Veränderungen sehe ich normalerweise keine“, sagte der Bundestrainer am Sonntag nach der Ankunft in Glasgow. Alle 22 Akteure seien einsatzfähig, auch der beim 3:1-Sieg gegen Polen leicht angeschlagene Leverkusener Karim Bellarabi.

Die Schotten hatten vor ihrem „Spiel des Jahres“ (Löw) nicht nur mit ihrer 0:1-Niederlage in Georgien, sondern auch mit einem Rückflug-Chaos zu kämpfen.

„Schottland braucht ein Wunder“, schrieb die Daily Mail und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf. Teammanager Gordon Strachan, dessen Vorbereitung auf das Duell durch einen um mehr als dreieinhalb Stunden verzögerten Abflug in der Nacht zum Sonnabend von Tiflis nach Glasgow empfindlich gestört wurde, gab sich trotzdem kämpferisch: „Ich habe vollstes Vertrauen, dass wir gut organisiert, erholt und bereit sein werden für eine starke Vorstellung“, kommentierte Strachan und blickte auf die Aufgabe gegen die Deutschen: „Meine Spieler müssen eine großartige Leistung abliefern, um zu gewinnen.“