München - Ein geheimes Konto in der Schweiz könnte Uli Hoeneß (61) teuer zu stehen kommen. Nach einer Selbstanzeige beim Finanzamt geht es für den Präsidenten von Bayern München nicht nur um Geld und Straffreiheit, sondern auch um sein Ansehen, das nach den Enthüllungen des Wochenendes mehr als angekratzt ist. Das öffentliche Bild des streitbaren Vordenkers und populären Klartextredners mit hohen Wertvorstellungen über den Fußball hinaus muss womöglich ganz neu gezeichnet werden.
Personelle Konsequenzen beim Rekordmeister schloss Hoeneß für sich vorerst aus. „An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht“, sagte er der „Sport Bild Plus“. Da der Chef des Gremiums der Aktiengesellschaft stets auch Präsident des eingetragenen Vereins ist, gilt diese Aussage für beide Ämter. Hoeneß kündigte zudem seinen Besuch des Halbfinal-Hinspiels in der Champions League an diesem Dienstag in der heimischen Arena an. „Gegen Barcelona bin ich auch wieder im Stadion“, sagte er. Beim 6:1-Sieg im Bundesligaspiel am Sonnabend bei Hannover 96 saß der Präsident nicht auf der Tribüne.
Hoeneß will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Steuercausa äußern. „Ich darf im Moment nichts sagen, denn ich befinde mich in einem schwebenden Verfahren“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Sie können sich vorstellen, dass mir vieles auf der Zunge liegt, aber ich muss erst mit den Behörden meine Hausaufgaben machen.“
„Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen“, meinte die Sportbeauftragte Sylvia Schenk von der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International.
Die Ex-Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer sprach Hoeneß in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ fortan jegliche Legitimation für Angriffe wie jüngst auf den unter Korruptionsverdacht stehenden Weltverbands-Präsidenten Joseph Blatter ab: „Wenn er Herrn Blatter angreift und fordert, dass dieser den Fifa-Saustall aufräumen soll, aber selbst Geld an der deutschen Steuer vorbeibringt, dann schmeißt Uli Hoeneß mit Felsbrocken aus dem Glashaus.“
