Hannover - Das „Nein“ der Hamburger beim Bürgerentscheid zu Olympia 2024 wirkte nach. „Tage der Wahrheit, Stunden der Klarheit“, lautete das Motto der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am Wochenende in Hannover. Und DOSB-Präsident Alfons Hörmann nahm es wörtlich: Er las den deutschen Funktionären die Leviten und kritisierte die Politik.

In seiner Grundsatzrede prangerte er die Rolle deutscher Repräsentanten wie Theo Zwanziger und Helmut Digel bei den Skandalen in den Weltverbänden der Fußballer (Fifa) und Leichtathleten (IAAF) an. Er warf ihnen vor, zu lange weggeschaut zu haben und sah in den Skandalen eine Mitschuld für Hamburgs Olympia-Aus. Die Vorwürfe konterte der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger: „Das ist der schäbige Versuch, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.“

Mit seiner Rede versuchte Hörmann, der kaum Selbstkritik übte, die Olympia-Tristesse wegzufegen und schwor die 465 Delegierten auf die Reform des Spitzensports ein. „Es war eine erfolgreiche Mitgliederversammlung“, resümierte er. Allerdings sah es am Vorabend des DOSB-Konvents noch nach einem handfesten Konflikt mit Innenminister Thomas de Maizière (CDU) aus. So war auf der Internetseite des staatlich geförderten Bundesinstituts für Sportwissenschaften (BISp) der Vorschlag zu lesen, ein „Bundesamt für Sport“ solle künftig unter Regie des Innenministeriums die Förderung der Verbände steuern. „Die Partnerschaft ist intakt“, gab Hörmann Entwarnung. „Der Minister hat klargemacht, dass er die Verstaatlichung des Sports nicht als Ziel verfolgt.“

Hörmann ging davon aus, dass die Leistungssportreform gelingen werde. Ziel sei es, wieder mehr Medaillen bei Olympischen Spielen zu gewinnen. Dass eine neue Olympia-Bewerbung Deutschlands nun doch früher als nach zehn Jahren kommen könnte, ist wohl nicht ganz ausgeschlossen. „Wir waren nur vorsichtig mit einer offensiven Darstellung“, erklärte Hörmann.

Derweil stellte der Innenminister die Förderung von Sportarten mit Dopingproblemen infrage. „Vielleicht muss man in Zukunft auch auf bestimmte Disziplinen verzichten“, und zwar dort, „wo es strukturell einen höheren Verdacht gibt, das gedopt wird, als bei anderen“, sagte de Maizière am Sonntagabend im „Sportgespräch“ des Deutschlandfunks.