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NWZonline.de Sport Fußball

Insolvenzantrag Gestellt: HSV-Handballer finanziell am Ende

17.12.2015

Hamburg Finanziell am Ende, kein Retter in Sicht - aber der HSV Hamburg will den Kampf ums Überleben noch nicht aufgeben. Trotz des Insolvenzantrags des angeschlagenen Handball-Bundesligisten, den die Hamburger Gerichtspressestelle am Mittwoch bestätigte, soll das nächste Punktspiel am Sonntag wie geplant ausgetragen werden.

Laut Statuten werden dem deutschen Meister von 2011 allerdings acht Punkte abgezogen. Und ob die Hanseaten überhaupt bis zum Saisonende den Spielbetrieb aufrechterhalten, erscheint derzeit völlig offen.

Der Verein wollte am Mittwoch keine Auskünfte zur Zukunft geben. Die Verbindlichkeiten des Champions-League-Siegers von 2013 sollen sich bis Saisonende auf fünf Millionen Euro belaufen.

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Warum Geschäftsführer Christian Fitzek die Einlösung der Patronatserklärung von Hauptsponsor Andreas Rudolph über mehrere Millionen Euro bislang nicht eingefordert hat, bleibt unbekannt. Sie war Voraussetzung für die Lizenzerteilung gewesen. Der Medizinunternehmer soll inzwischen mehr als 30 Millionen Euro in den Verein gesteckt haben.

Wird bis zum Jahresende nicht eine Verringerung des negativen Eigenkapitals um 30 Prozent nachgewiesen, kommen zum feststehenden Abzug von acht Punkten vier weitere Zähler hinzu. Der Abstand des Tabellenfünften zu den Abstiegsplätzen beträgt derzeit 17 Punkte.

Sollte die Sanierung des HSV bis zum 10. April kommenden Jahres gelingen, kann ein erneuter Antrag für eine Bundesliga-Lizenz gestellt werden. Anderenfalls droht ein Neuanfang in der zweiten oder dritten Liga.

Ob das Bundesligaspiel gegen den SC Magdeburg am Sonntag (15.00 Uhr) stattfinden kann, ist ungewiss. Die Arena gehört außer dem Finanzamt, der Berufsgenossenschaft und Rudolph zu den Gläubigern des Clubs. Nun muss sich der Insolvenzverwalter mit dem Arena-Betreiber einigen. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung müssten 50 000 Euro Mietzahlung geleistet werden.

Schon seit mehr als zehn Jahren standen die Hanseaten immer wieder dicht vor dem Kollaps. Im Dezember 2004 war Rudolph erstmals als Retter aufgetreten. Nach dem unglücklichen Intermezzo mit dem ehemaligen Fußball-Nationaltorhüter Frank Rost als Geschäftsführer im Jahr 2013 erhielt der Club im Juli 2014 erst in letzter Minute die Lizenz.

Die Mannschaft trainiert sich derzeit selbst. Coach Michael Biegler, der in Personalunion die polnische Nationalmannschaft betreut, bereitet den Gastgeber der EM auf das Turnier im Januar vor.

Die Spieler können den Verein nach dem Ausbleiben der beiden Monatsgehälter ablösefrei verlassen. Adrian Pfahl wird bereits mit Frisch Auf Göppingen in Verbindung gebracht und könnte nach den Regularien des Liga-Verbands HBL bereits am 27. Dezember mit den Schwaben beim HSV antreten.

Sollten viele Profis dem HSV den Rücken kehren, könnten Spieler aus der U23 aufrücken. Die hat gerade die Herbstmeisterschaft in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein eingefahren. Konkurrenzfähig in der Bundesliga wäre ein solches Team in jedem Fall nicht.

Verwirrung gab es am Mittwoch um einen angeblichen Einstieg von Jürgen Hunke, ehemaliger Präsident des Fußball-Bundesligisten HSV. Der Theatermäzen dementierte Meldungen, dass er als neuer Investor helfen würde, nachdem Rudolph den Geldhahn zugedreht hatte.

„Ich werde keinen Euro in die Rettung stecken, das kann doch gar keiner bezahlen“, sagte Hunke der Deutschen Presse-Agentur. Er hatte nach eigenen Angaben vor zehn Jahren 450 000 Euro für die Lizenz der Norddeutschen gegeben: „Das Geld ist ja auch weg.“ Er sei weiterhin im Nachwuchsbetrieb des HSV e.V. engagiert.

er finanziell schwer angeschlagene Handball-Bundesligist HSV Hamburg hat einen Insolvenzantrag gestellt. Dies bestätigte das Amtsgericht Hamburg am Mittwoch.

Der Champions-League-Sieger von 2013 hatte bis zuletzt auf eine Rettung durch Mäzen Andreas Rudolph gehofft. Der Gang in die Insolvenz würde nicht automatisch einen Zwangsabstieg bedeuten.

Im Falle einer Insolvenz dürfte der HSV laut Statuten der HBL mit einem Abzug von zwölf Punkten bestraft werden. Die Existenz des Klubs wäre in höchster Gefahr, eine Lizenz für die kommende Saison höchst unwahrscheinlich. Dennoch wäre ein Zwangsabstieg nicht besiegelt, wenn bis Mitte April die wirtschaftlichen Schwierigkeiten mithilfe eines neuen Trägers bereinigt würden.

Geschäftsführer Christian Fitzek hatte bis zuletzt an einer Lösung der Misere gearbeitet. Doch am Mittwoch lehnte auch der letzte Hoffnungsträger Jürgen Hunke (72) einen Einstieg als Investor bei den Hanseaten dankend ab. „Ich bin bestimmt nicht der Retter“, sagte der Unternehmer dem Hamburger Abendblatt: „Selbst wenn ich das Geld hätte, würde ich im Traum nicht bei der Betriebsgesellschaft einsteigen.“ Die akute Finanzierungslücke des HSV liegt bei rund zwei Millionen Euro, bis Saisonende wäre mindestens noch einmal der gleiche Betrag nötig.

Fitzek wird nun ein Insolvenzverwalter zur Seite gestellt, ohne den die Hamburger keine wichtigen Entscheidungen treffen dürfen. Ob der HSV den Spielbetrieb einstellt und die Partie am Sonntag gegen den SC Magdeburg ausfällt oder der steinige Weg einer wirtschaftlichen Gesundung über die Insolvenz gegangen wird, steht noch nicht fest. In jedem Fall aber droht den Hanseaten der Ausverkauf ihrer Spieler. Da die Mannschaft auf die Zahlung von zwei Monatsgehältern warten, dürften die Profis ablösefrei wechseln.

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