Hamburg - Aufsteiger Darmstadt 98 hat Nerven wie Schiffstaue. Selbst die Wurfattacke eines Fußball-Chaoten in Hamburg auf den Mannschaftsbus des hessischen Bundesligisten, die eine Scheibe zu Bruch gehen ließ und die Mannschaft in Schrecken versetzte, brachte die Hessen nicht aus dem Rhythmus. Auch nicht die Muskelverletzung von Abwehrspieler Slobodan Rajkovic wenige Minuten vor Spielbeginn. Am Ende des engagierten Arbeitseinsatzes stand ein 2:1 (1:0) beim Hamburger SV, der erste dreifache Punktgewinn nach acht sieglosen Spielen.
Was Darmstadt 98 auswärts auszeichnet, sucht der HSV indes in Heimspielen verzweifelt: Geradlinigkeit im Angriff und Kaltschnäuzigkeit beim Vollstrecken der wenigen Chancen. „Ich könnte, auf gut Deutsch gesagt, kotzen“, fauchte Torwart René Adler nach der siebten Heimniederlage und zeigte Verständnis für das Pfeifkonzert der Zuschauer im ausverkauften Volksparkstadion: „Wir haben uns nach einem mittelmäßigen Bundesliga-Spiel in Hannover vor einer Woche feiern lassen, da müssen wir jetzt mit den Pfiffen leben.“
In einer wenig berauschenden ersten Hälfte hatte Kapitän Aytaç Sulu Darmstadt nach einem Freistoß in Führung geköpft (38. Minute). Jerome Gondorf erhöhte auf 2:0 (54.). Lewis Holtbys Anschlusstreffer (90.+2) kam zu spät für den HSV.
Trainer Bruna Labbadia gab zu, sich über einige seiner Profis geärgert zu haben. „Die Spieler sind zu schnell unzufrieden geworden, weil vieles nicht gelungen ist. Das hat mich genervt.“ Vor dem Training am Sonntag trommelte er sein Team zusammen und hielt eine Ansprache. „Wir sind uns unserer Situation sehr bewusst. Wir müssen sehr wachsam sein“, mahnte er angesichts der verlorenen Punkte.
Hat der HSV an einem Wochenende einen Schritt nach vorn gesetzt, geht er eine Woche später einen zurück. „Das Auf und Ab geht schon die ganze Zeit. Die Konstanz ist das, woran wir am meisten arbeiten müssen“, sagte Labbadi. Stellt der Gegner dem HSV die Räume zu, versanden dessen Angriffe. Vielen fehlt die Klasse, sich durch das Abwehrbollwerk des Rivalen zu kombinieren. „Wir hatten zu viele Spieler, die nicht an die 100 Prozent gekommen sind“, erläuterte der Trainer.
Noch ist der HSV nicht gerettet. Bis zum verhassten Relegationsplatz sind es sechs Punkte. Am nächsten Wochenende geht es zu Borussia Dortmund.
