Hamburg - Gerüchte, Halbwahrheiten und ein vorlauter Trainer haben große Verwirrung um die Nachfolge von Thorsten Fink beim Hamburger SV ausgelöst. Die Konfusion begann mit einem Vorstoß des Niederländers Bert van Marwijk, der im Fernsehen seines Heimatlandes verkündete, er sei sich mit dem HSV einig und neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten.
„Wir sind mit ihm im Gespräch, und mehr gibt es jetzt dazu nicht zu sagen“, erklärte HSV-Mediendirektor Jörn Wolf am Sonntag. „Wir geben keine Wasserstandsmeldungen“, meinte Präsident Carl Jarchow.
Zwischenzeitlich hieß es, Sportchef Oliver Kreuzer sei nach Zürich geflogen, um sich dort mit dem Schweizer Trainer Christian Gross zu treffen. „Das ist falsch“, ließ der Verein wissen. Kreuzer soll zwar in die Schweiz geflogen sein, aber zu einem anderen Zweck.
Am Sonnabend hatte sich van Marwijk höchstselbst als Nachfolger des beurlaubten Fink präsentiert. Zahlreiche niederländische Medien berichteten, der einstige Nationaltrainer der Niederlande erhalte einen Zweijahresvertrag mit Option auf eine weitere Spielzeit. Er bringe als Co-Trainer Roel Coumans von Fortuna Sittard mit.
Van Marwijk (61) zeigte sich überrascht, als er von angeblichen Verhandlungen des HSV mit anderen Kandidaten erfuhr. „Ich hatte gute Gespräche mit dem HSV. Eigentlich gab es keine Probleme mehr. Aber es ist noch nichts unterschrieben“, sagte er. Im niederländischen Fernsehsender NOS hatte der Trainer vom HSV geschwärmt: „Das ist ein großartiger Club mit einer gewaltigen Tradition.“ Der einstige Coach von Borussia Dortmund hatte am vergangenen Mittwoch mit seinem Berater und Kreuzer gesprochen.
Falls der ehemalige Oranje-Coach nach Hamburg wechseln sollte, hat er Schwerstarbeit zu bewältigen. „Man sieht, dass es eine Mannschaft ist, die verunsichert ist“, sagte van Marwijk nach dem 0:2 im Nordderby gegen Werder Bremen.
Ob der mit Geldscheinen wedelnde Milliardär und Felix-Magath-Fan Klaus-Michael Kühne etwas an van Marwijk zu mäkeln hat, ist noch nicht überliefert. Bislang hat der 76-jährige Investor bei allen amtierenden Personen im Verein und möglichen Trainer-Kandidaten wie dem ehemaligen Werder-Coach Thomas Schaaf den Daumen gesenkt. „Ich will doch keinen Einfluss nehmen, ich sage nur meine Meinung“, beteuerte der in der Schweiz und auf Mallorca lebende Logistik-Unternehmer.
Als Fink Anfang vergangener Woche gegangen war, hoffte die Vereinsführung noch auf den Effekt des neuen Besens. Aber auch Interimscoach Rodolfo Cardoso konnte im Zusammenspiel mit A-Jugendtrainer Otto Addo kein Feuer entfachen. Die Mannschaft wollte, aber sie konnte nicht. Die Profis waren verkrampft und brachten kaum eine Ballstafette zustande. „Wo war die Gier? Wo war die Aggressivität? Wo war der unbändige Wille? Das verstehe ich nicht“, grollte Kreuzer.
