Hamburg - Heimpleite, Kabinenzoff, flüchtende Fans und nun auch Tabellenletzter: Der einstmals große Hamburger SV ist am vorläufigen Tiefpunkt angekommen. Trotz des drohenden erstmaligen Absturzes in die 2. Fußball-Liga will Clubchef Dietmar Beiersdorfer die Saison mit Peter Knäbel als Coach durchziehen. „Das schließe ich aus!“, antwortete der HSV-Vorstandsvorsitzende am Sonntag auf Fragen nach einem erneuten Wechsel auf der Bank. „Wir müssen jetzt zusammenrücken und uns sammeln. Es sind ja noch 18 Punkte zu vergeben“, sagte Beiersdorfer nach dem 0:2 gegen den VfL Wolfsburg.

Doch wer soll nach der Serie von acht Spielen ohne Sieg und 495 Minuten ohne eigenen Torerfolg beim wankenden Riesen die Wende herbeiführen? Nichts ist besser geworden unter dem mit großen Hoffnungen verpflichteten Beiersdorfer. Nach Mirko Slomka und Joe Zinnbauer ist Knäbel bereits der dritte HSV-Coach in dieser Saison. Seine Bilanz aus zwei Spielen: null Punkte und 0:6 Tore.

Doch damit nicht genug: Am Sonntag wurde bekannt, dass die Schweizer Nationalspieler Valon Behrami und Johan Djourou in der Halbzeitpause aneinandergeraten sind. Der HSV habe eine „emotionale Auseinandersetzung“ bestätigt, die Beteiligten seien mit einer Geldstrafe belegt worden, hieß es. Abwehrchef Djourou sah zudem wegen Meckerns die Gelb-Rote Karte und fehlt dem HSV am kommenden Sonntag bei Werder Bremen (15.30 Uhr).

Entsetzt flüchteten die Fans in Scharen schon vor dem Abpfiff der Partie gegen Wolfsburg aus dem Volkspark. „Das kann einem schon Angst machen“, gestand HSV-Idol Uwe Seeler, „aber meine Hoffnung stirbt zuletzt.“

Nach ihrem hilflosen Auftritt sahen sich die Spieler Pfiffen, Wutausbrüchen und umherfliegenden Gegenständen ausgesetzt. Doch ans Aufgeben denkt Knäbel, derzeit Sportdirektor und Coach in Personalunion, nicht. Für seinen Mut, sich in der Krise auf die Bank zu setzen, erntet der Platzhalter für Wunschkandidat Thomas Tuchel nur harsche Kritik. Trotz aller Dementis scheinen die Hanseaten auch im Falle eines Abstiegs auf das Ja-Wort des Ex-Mainzers zu bauen.

Diesmal leitete ein grober Patzer des Brasilianers Cleber die Niederlage ein. „Das war überflüssig und dämlich. Eine Situation, die man beherrschen muss“, schimpfte Heiko Westermann. Die Niederlage durch die sehenswerten Tore von Josuha Guilavogui (10. Minute) und Daniel Caligiuri (73.) hätte viel höher ausfallen müssen. „Leblos. Kein Mut, keine Aggression, keine Wut. Das hatte nichts mit Fußball zu tun. Wir hatten keine einzige Torchance“, sagte Westermann.