Hamburg - Als Thorsten Fink (45) am Dienstagmorgen seine letzten Worte an die Mannschaft richtete und kurz danach vom Vereinsgelände des Hamburger SV fuhr, diskutierten die HSV-Chefs in den Büroräumen der Arena schon über seinen Nachfolger. Nach knapp zwei Jahren im Amt wurde Fink die sportliche Talfahrt (Platz 15) zum Verhängnis – und der nächste Höhepunkt der Hamburger Chaos-Wochen war erreicht.

„Ich glaube, dass ich in zwei Jahren hier etwas entwickelt habe“, sagte Fink vor seiner Abfahrt: „Ich bin stolz, bei diesem großen Club gearbeitet zu haben, der immer wieder polarisiert.“

Bis der neue starke Mann gefunden ist, übernehmen vorübergehend die Ex-Profis Rodolfo Esteban Cardoso (44/Trainer HSV II) und Otto Addo (38/Trainer HSV-A-Junioren) die Trainingsleitung beim wankenden Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga. Möglicherweise sitzt das Duo auch am Sonnabend (15.30 Uhr) im Heimspiel gegen Werder Bremen auf der Bank.

„Wir suchen nun mit Nachdruck nach einem Nachfolger für Thorsten. Wann wir ihn präsentieren können, kann ich noch nicht sagen. Es kann schnell gehen, es kann aber auch noch ein paar Tage dauern“, sagte Sportdirektor Oliver Kreuzer (47).

Mögliche Kandidaten wie den Ex-HSV-Profi Markus Babbel (41), den früheren St.-Pauli-Coach Holger Stanislawski (43) oder den vor Kurzem in Kaiserslautern entlassenen Franco Foda (47) wollte der Manager nicht kommentieren. Auch zu einem möglichen HSV-Interesse an Thomas Schaaf (52), der von 1999 bis 2013 Werder Bremen betreut hatte, äußerte sich Kreuzer nicht.

Felix Magath (60), einst als Spieler und später auch als Trainer beim HSV unter Vertrag und derzeit ohne Verein, erklärte bereits, nicht für das Amt zur Verfügung zu stehen.

Kreuzer war am Montag nach einer eilig einberufenen Vorstandssitzung extra nach München geflogen, wo Fink einen Kurzstopp bei seiner Familie eingelegt hatte, um ihm die just zuvor beschlossene Botschaft zu überbringen. Genau jene Reise Finks nach München hatte in Hamburg für Irritationen gesorgt. Nach der 2:6-Pleite in Dortmund am Sonnabend hätte sich der Trainer zu Wochenbeginn um sein Team kümmern müssen, so die Meinung einiger HSV-Führungskräfte. „Ich hätte später fliegen sollen, das kann man schon sagen“, sagte Fink.

„Wir müssen gucken, wer jetzt mit dem Herzen und dem Kopf dabei ist“, sagte derweil Cardoso vor seiner ersten Einheit am Nachmittag: „Es gibt etwas gutzumachen.“