Hamburg - Die schmerzhafte Lektion von Markus Gisdol nahm Julian Nagelsmann sportlich. „Die Stimmung im HSV-Stadion ist schon fast ein Alleinstellungsmerkmal. Leider waren wir sehr seit weg von 100 Prozent Emotionalität“, bekannte der hochgelobte Jungtrainer von Fußball-Bundesligist 1899 Hoffenheim nach der 1:2-Niederlage beim Hamburger SV.
Der turbulente Spielverlauf offenbarte, dass der 29-Jährige auch selbst immer noch ein Lernender ist. Mit wuchtiger Körperlichkeit, schierer Präsenz und einer Menge Adrenalin in den Adern warfen die nach wie vor abstiegsbedrohten Platzherren alle taktischen Überlegungen Nagelsmanns über den Haufen, eine Neujustierung gelang ihm nicht.
Ausführlich erklärte Gisdol, Nagelsmanns Vorvorgänger in Hoffenheim, nach dem achten Heimspiel des HSV nacheinander ohne Niederlage, wie er die Pläne des Kollegen durchkreuzen konnte: „Wir konnten unsere technische Unterlegenheit nur durch totales Pressing kompensieren. Das war riskant, aber dieses Wagnis mussten wir eingehen.“
Zur Wahrheit gehörte aber auch, dass Gisdol in Aaron Hunt den Mann auf dem Rasen hatte, der den Unterschied ausmachte. Der Ex-Nationalspieler verwandelte einen Freistoß (25. Minute) und schloss in der 75. Minute einen Konter mustergültig ab. 20 Monate nach seinem Wechsel aus Wolfsburg scheint der Ex-Bremer tatsächlich in Hamburg angekommen zu sein.
„Aaron ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch im reiferen Profi-Alter noch einen Entwicklungssprung machen kann“, lobte Gisdol und meinte damit die deutlich verbesserte Arbeit des 30-jährigen Mittelfeldspielers gegen den Ball. Hunt befand: „Meine Tore sind nicht wichtig, aber der Sieg fühlt sich richtig gut an, denn er war verdient.“
Seinen nächsten Auftritt hat Hunt an einer ihm gut bekannten Stätte. Am Ostersonntag tritt der HSV um 15.30 Uhr im Weserstadion bei Werder Bremen an.
