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NWZonline.de Sport Fußball

„Autorität ist nicht vom Geschlecht abhängig“

22.02.2019

Frage: „Imke Wübbenhorst, Sie schreiben am Sonntag Fußballgeschichte. Sind Sie aufgeregt?“

Imke Wübbenhorst (Trainerin BV Cloppenburg): „Ja, das bin ich. Ich wollte immer schon Trainerin sein. Das habe ich damals schon in mein Poesie-Album geschrieben. Ich hatte mich schon bei anderen Vereinen beworben, aber die waren zu ängstlich, eine Frau als Männertrainerin einzusetzen. In Cloppenburg wurde dann aufgrund der prekären Situation eine interne Lösung gesucht. Ich sehe die Aufgabe als Chance, weil ich schon immer in den Männerfußball wollte. Ich möchte zeigen, dass Autorität nicht vom Geschlecht abhängig ist, sondern eine Frage der Trainerqualität und Persönlichkeit ist. Die Arbeit mit den Jungs bringt Spaß, weil es eine junge Truppe ist, die total willig ist. Aber es wird schwer, in der Oberliga konkurrenzfähig zu sein. In einem Zeitungsartikel stand schon einmal: ‘Wübbenhorst schreibt Fußballgeschichte’. Ich hoffe, das wird kein Einzeiler.“

Frage: „Macht es einen Unterschied, Männer oder Frauen zu trainieren?“

Wübbenhorst: „Nein. Manchmal können die Männer sich ein bisschen besser auf die Schippe nehmen und sind schneller beim Duschen, aber sonst kann ich eigentlich keinen Unterschied feststellen. Trainersein macht mir einfach unheimlich viel Spaß, die Arbeit auf dem Platz ist die gleiche.“

Frage: „Sie sind für Ihre neue Mannschaft die erste Trainerin. Wie ist das Verhältnis?“

Wübbenhorst: „Die Spieler haben sich anfangs schon sehr zurückgenommen, haben mich teilweise gesiezt und waren sehr respektvoll. Aber auch ich habe überlegt, ob ich die Dinge so raushauen kann, wie ich es vorher bei den Frauen gemacht habe. Man muss sich aber einfach nur kennenlernen. Die haben dann schnell gemerkt: Ich komme aus dem Fußball und bin durch und durch Fußballerin. Inzwischen kriegen die Jungs auch mal einen zwischen die Hörner und es knallt auch mal ordentlich - wie zum Beispiel beim letzten Testspiel in der Kabine. Viele meinten zu mir: ‘Du kannst die Männer anders und härter anpacken als die Frauen.’ Aber nein, das kann ich nicht. Sie lieben diesen Sport genauso. Ich denke, es gibt keinen Unterschied in der Art, wie ich sie behandle. Das ist auch nicht nötig.“

Frage: „Mussten Sie sich Machosprüche anhören?“

Wübbenhorst: „Es kamen ein paar doofe Sprüche, einige gingen ja auch direkt um die Welt. Da stumpft man ein bisschen ab und antwortet auch mal bewusst niveaulos, damit die Leute einfach aufhören zu reden und das bekommen, was sie sowieso hören wollen. Bei dummen Sprüchen eignet man sich halt das Kontern an. Ich bin gespannt, wie es ist, wenn wir mal ein Spiel gewinnen sollten, wie dann die Reaktion von gegnerischen Fans oder Trainern ist. Das wäre aber kein Problem für mich, da im Fußball äußere Merkmale gern als Ansatzpunkt für Kritik oder für irgendwelchen Ärger genutzt werden. Ich glaube, da könnte ich drüber lachen. Ich und mein Team wissen, dass das Geschlecht nichts darüber aussagt, welche Qualität ich als Trainer habe.“

Frage: „Haben Sie als Trainer ein Vorbild?“

Wübbenhorst: „Julian Nagelsmann. Von dem her, was ich medial mitbekomme, hat er ein sehr sympathisches Auftreten, ist aber trotzdem sehr bestimmt. Er ist noch sehr jung und war selbst kein Profi. Ich glaube, dass genau das immer der Trugschluss ist, dass ein Trainer unbedingt Bundesliga gespielt haben muss, um in der Bundesliga zu trainieren. Aber das Beispiel Nagelsmann veranschaulicht, dass ein guter Trainer nicht automatisch auch ein guter Spieler gewesen sein muss.“

Frage: „Ist der Fußball bereit, sich für Frauen zu öffnen?“

Wübbenhorst: „Es ist komisch, dass in der kompletten Gesellschaft ein Umdenken stattfindet und viele Menschen mittlerweile kein Problem mehr mit beispielsweise Homosexualität oder andersfarbigen Menschen haben, aber dass es gerade in der Männerdomäne Fußball noch ein Riesenproblem ist, sich für Frauen zu öffnen. Es wird ja auch immer gesagt, dass Frauenfußball eine andere Sportart sei. Und je mehr ich mich mit dem Männerfußball beschäftige, kann ich sagen: Es stimmt einfach nicht. Es ist athletisch etwas ganz anderes, natürlich. Es gibt bei den Frauen nicht so schnelle Sprintduelle und Frauen können auch nicht so hart schießen - aber taktisch ist es nichts anderes. Man muss zum Doppeln kommen, man muss Räume verengen, man muss sich früh absetzen und sich absichern. Das sind gruppen- und individualtaktisch die gleichen Dinge. Deswegen ist es erstaunlich, dass man es einer Frau nicht zutraut, eine Männermannschaft zu trainieren. Beim Blick in andere Bereiche - ob ins Krankenhaus oder in die Politik, wo uns Angela Merkel seit Jahren regiert - kann ich mir nicht erklären, warum es im Fußball so lange dauert.“

Frage: „Ist die Zeit jetzt reif?“

Wübbenhorst: „Wenn man mit der Gesellschaft Schritt halten möchte, wäre es an der Zeit. Aber gerade, weil es in diesem Bereich um so viel Geld geht - es geht um Kommerz, Sponsoren und Fans - schrecken viele davor zurück. Der Sportart werden nunmal viele männliche Attribute zugeschrieben. Du musst hart sein, du musst stark sein, du musst dich durchsetzen. Viele, die in den Führungspositionen sind, waren mal Spieler und sind jetzt im Vorstand, sind Manager, Trainer und Co- Trainer. Es ist ein bestimmtes Klientel an Menschen, das in diesem Bereich arbeitet. Und ich glaube, dass viele noch nicht so bereit dafür sind, weil sie auf bestimmte Weise sozialisiert worden sind und sie die Arbeit dem in Anführungsstrichen schwachen Geschlecht noch nicht wirklich zutrauen. Das ist in der freien Marktwirtschaft schon ganz anders.“

Frage: „Sehen Sie sich denn als Vorreiterin?“

Wübbenhorst: „Es wäre schön, wenn durch mein Wirken rumkommt, dass auch Frauen Männer trainieren können. Ich möchte, dass andere Vereine die Angst verlieren, solch einen Schritt zu gehen. Mein sportlicher Erfolg sei angesichts meiner jungen Mannschaft mal dahingestellt. Das wird sicherlich schwierig. Wenn die Leute aber erkennen, dass sich ein guter Trainer nicht nur durch das Geschlecht definiert, sondern durch Qualität und damit, dass die Spieler einem den Respekt gegenüber bringen, weil es auf dem Platz funktioniert, die Trainingseinheiten Sinn machen und gute Hilfen gegeben werden, dann würde ich das schon als Pionierarbeit definieren.“

Frage: „Haben Sie Träume? Die Bundesliga?“

Wübbenhorst: „Das wäre natürlich ein Ziel. Jeder Trainer hat doch immer das Ziel, oben anzukommen. Es klingt fast utopisch, aber Träume muss man haben.“

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