Hannover - Diese Erfahrung hat Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) während seiner USA-Reise tief beeindruckt: Da spielen die beiden größten Rivalen im Baseball vor Zehntausenden Zuschauern ein äußerst hitziges Duell – „und vielleicht ein Dutzend Polizisten müssen die Partie absichern“, erzählt Pistorius. „Warum geht das nicht auch in der Fußball-Bundesliga?“, fragt der Innenminister, der jedes Jahr einen Berg von Überstunden für Polizeibeamte bei Bundesliga-Einsätzen abzeichnen muss. Pistorius will das Problem noch vor der neuen Saison mit der Einberufung eines Fußball-Gipfels anpacken.
Pistorius blickt vor allem sorgenvoll auf die kommende Zweitliga-Saison. Das Duell Hannover 96 (der Club steigt aller Voraussicht nach aus Liga eins ab) gegen Eintracht Braunschweig sei an Brisanz nicht zu überbieten. Kämen womöglich noch Werder Bremen oder sogar der HSV dazu, würde sich die explosive Mischung der Fan-Lager in der Zweiten Liga mit einer großen Zahl von Nordclubs nochmals erhöhen. Und die Probleme, die der Aufsteiger in die Zweite Liga, Dynamo Dresden, mitbringe, kenne jeder. In Dresden „feierten“ die Dynamo-Anhänger den Aufstieg des Teams mit Gewaltexzessen. Die Bilanz: 15 Polizisten verletzt und über 300 „Fans“ wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.
Ebenso brisant wäre der Aufstieg von VfL Osnabrück in die Zweite Liga. Zwar drückt Pistorius, jahrelang der Oberbürgermeister von Osnabrück, seiner Spitzenmannschaft die Daumen, aber er kennt die Schattenseiten nur zu genau aus persönlicher Anschauung.
Unterdessen sperrt Drittligist Preußen Münster nach dem gesundheitsgefährdenden Fehlverhalten von Fans für zwei Heimspiele einen Zuschauerblock und verhängt ein Fahnenverbot. Das teilte der Verein am Montag mit. Beim Heimspiel gegen Energie Cottbus waren am 9. April rund 20 Rauchtöpfe angezündet worden. Durch den giftigen Rauch wurden unbeteiligte Zuschauer gefährdet. „Ein 72-Jähriger musste mit Vergiftung ins Krankenhaus“, zeigt sich Pistorius empört über die Krawalle in Münster.
Die Mainzer Polizei hatte rund um das Bundesligaspiel zwischen Mainz 05 und dem 1. FC Köln (2:3) am Sonntag alle Hände voll zu tun. Zunächst zündete eine Gruppe von 200 FC-Fans, die mit dem Schiff nach Mainz gekommen war, mehrere Stunden vor dem Anpfiff bengalische Feuer in der Stadt. Um weitere Ausschreitungen zu verhindern, fingen die Beamten die FC-Anhänger auf ihrem Weg ins Stadion ab und verfrachteten die Kölner in Bussen zur Arena. Dabei kam es laut Polizei zu „keinerlei weiteren Vorfällen“.
