Herr Schüller, in der Länderspielpause fand ein Treffen der Geschäftsführer und Gesellschafter der Bundesliga-Clubs in Frankfurt statt. Was wurde da besprochen?
Hermann Schüller (65) Im Kern ging es um die Frage, wohin die Reise für die Basketball-Bundesliga gehen soll. Dabei wurden strategische Themen wie etwa die Vermarktung oder die TV-Reichweite diskutiert. Der gemeinsame Nenner ist das Bewusstsein, dass Basketball die Trendsportart Nummer eins ist und ein riesiges Wachstumspotenzial besitzt. Mittelfristig wollen wir Basketball in Deutschland zur klaren Nummer zwei der Sportarten machen – hinter Fußball.
Kann dies gelingen, solange Basketball so selten im frei empfangbaren Fernsehen stattfindet?
SchüllerDie Übertragungen des TV-Partners der Liga besitzen eine sehr hohe Qualität. Allerdings wird damit noch nicht die breite Masse erreicht. Deswegen setze ich große Hoffnungen in den neuen TV-Vertrag, der von der Liga verhandelt wird. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Sublizenzen für die öffentlich-rechtlichen Sender beinhaltet. Denn: Wir benötigen mehr Basketball im frei empfangbaren TV, um das Interesse weiter zu steigern.
Die Liga ist auf Wachstumskurs, Clubs wie Ulm, Frankfurt und Würzburg rüsten auf. Bei den Baskets hingegen will die EWE ihr Engagement ab der kommenden Saison um 500 000 Euro reduzieren. Besteht die Gefahr, dass Oldenburg den Anschluss verliert?
SchüllerBei diesem Betrag geht es um eine gestaffelte Reduzierung über die gesamte Vertragslaufzeit und nicht etwa um 500 000 pro Saison. Der sportliche Aufschwung der letzten Jahre hat uns Flügel verliehen, unsere Akzeptanz in der Wirtschaft ist merklich gestiegen. Wir wollen weiter wachsen, den Saisonetat mittelfristig von derzeit 7,5 auf neun Millionen Euro erhöhen. Dass die EWE in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten über eine Anpassung der Sponsoring-Leistung diskutiert, ist nachvollziehbar – allerdings müsste dieser Schritt so gestaffelt sein, dass uns genügend Luft bliebe, die möglicherweise entstehende Lücke zu kompensieren.
Ein Herunterschrauben der Ambitionen kommt also nicht infrage?
SchüllerNein. Wir müssen die sportliche Leistungsfähigkeit der Mannschaft bewahren. Die regelmäßige Teilnahme an den Playoffs darf nicht in Gefahr geraten, sonst kann ein negativer Spiraleffekt einsetzen. Zuschauerzahlen und Sponsoringeinnahmen würden vermutlich zurückgehen.
Wie wollen Sie ein solches Szenario verhindern?
SchüllerWirtschaftlich ist der Nordwesten nicht so stark wie etwa Baden-Württemberg – das ist einfach so. Wenn wir nicht zu einem Underdog der Liga werden wollen, müssen wir also erhebliche Anstrengungen unternehmen. Wir müssen jeden Stein umdrehen und ungemein kreativ sein. Bei den bald beginnenden Verhandlungen mit den Weser-Ems-Hallen über den neuen Mietvertrag für die EWE-Arena hoffen wir zudem, ein Stück weit entlastet zu werden. Da setzen wir auch auf die Unterstützung der Stadt – wir sind schließlich eine riesige Marketingmaschine für Oldenburg.
Noch bis zu diesem Freitag läuft die Crowdfunding-Aktion der Baskets Akademie Weser-Ems, mit welcher der Bau von vier Streetball-Plätzen in Oldenburg und im Ammerland finanziert werden soll. Was gab den Anstoß zum Projekt „StreetBaskets4live“?
SchüllerWir empfinden es als unsere gesellschaftliche Aufgabe, Kindern und Jugendlichen aus allen Schichten die Möglichkeit zu geben, Basketball zu spielen ohne Mitglied in einem Verein sein zu müssen. Der Sport im Allgemeinen fördert gerade die Integration von jungen Migranten – dazu möchten wir mit den Streetball-Plätzen und einer Turnierserie unseren Beitrag leisten. Ich bin sehr froh darüber, auf welche große Akzeptanz dieses Projekt stößt und bin mir sicher, dass wir die Zielsumme der Crowdfunding-Aktion von 85 000 Euro erreichen werden.
Der Streetball-Platz in Oldenburg ist Teil Ihrer Vision von einem Baskets-Campus hinter dem Clubcenter an der Maastrichter Straße. Was soll dort noch entstehen?
SchüllerNeben dem Streetball-Platz ist ein Beachvolleyball-Feld geplant. Im Zentrum des Campus soll eine zweigeteilte Sporthalle entstehen, in der Oldenburger Basketball-Vereine trainieren können. Für unsere eigenen Nachwuchsspieler stelle ich mir den Bau eines Internats vor, wo die schulische und basketballerische Ausbildung Hand in Hand läuft. Kurz gesagt: Der Campus soll ein Basketball-Zentrum für Oldenburg werden.
All das ist noch Zukunftsmusik – an diesem Samstag geht es für die Baskets in der Liga in Braunschweig weiter. Was erwarten Sie dort?
SchüllerEinen Sieg – nichts anderes kann unser Anspruch sein.
Nach zehn Spielen steht das Team im Mittelfeld. Was muss besser werden?
SchüllerDie Defensive, ganz eindeutig. Unsere Offensive funktioniert exzellent, hinten sind wir dagegen teilweise offen wie ein Scheunentor. Trainer Mladen Drijencic hat daran in der Länderspielpause hart gearbeitet, jetzt muss das Team es auch umsetzen. Die Zeit des Schmusekurses ist auf jeden Fall vorbei – wir wollen die Hinrunde unter den ersten Sechs abschließen, um bei der Pokal-Qualifikation dabei zu sein.
