Herr Forster, sagt Ihnen der Verein SC Spelle-Venhaus etwas?

Oliver Forster (49)(lacht) Bis vor Kurzem nicht – aber ich weiß natürlich, worauf Sie hinauswollen. Spelle-Venhaus ist ein Oberligist, der den VfB Oldenburg gerade aus dem niedersächsischen Landespokal geworfen hat.

Sie haben offensichtlich Ihre Hausaufgaben für diesen Freitag gemacht, wenn Sie für Sport 1 das Regionalliga-Auftaktspiel des VfB in Lübeck kommentieren. Wie bereitet sich ein Reporter, der schon von Welt- und Europameisterschaften berichtet hat, auf ein Viertliga-Spiel vor?

Forster Bei Regionalligisten ist es natürlich nicht ganz so einfach, an Infos zu kommen. Ich habe hierzu die Berichterstattung in den lokalen Medien verfolgt und darüber hinaus Fragebögen an die Pressesprecher beider Vereine geschickt.

Warum das?

ForsterUm ein wenig über die Spieler zu erfahren, die ja mir und auch den allermeisten Zuschauern unbekannt sind. Der eine hat eine bewegte Karriere hinter sich, der andere übt ein verrücktes Hobby aus – da ergeben sich in der Regel nette Randgeschichten, auf dich ich beim Kommentieren zurückgreifen kann. Zudem lasse ich mir die Porträts der einzelnen Spieler zukommen, damit ich mir die Gesichter einprägen kann. Ich hoffe, es hat geholfen und ich blamiere mich heute Abend nicht (lacht).

Diesbezüglich dürfte das Risiko bei Bundesligaspielen für Sie geringer sein.

ForsterKlar. Ein Spiel wie Dortmund gegen Bayern zu kommentieren ist der einfachste Job, den es gibt. Einen Mats Hummels oder Mario Götze erkennst du einfach immer. Aber generell gilt: Wenn ich ein Spiel kommentiere, muss ich die gesamte Zeit zu 100 Prozent konzentriert sein – egal, ob ich an der Lohmühle in Lübeck oder in der Allianz-Arena in München sitze.

Dennoch wird die Art der Übertragung anders sein.

ForsterDas ist richtig. Die Regionalligen sind nicht der Deutschen Fußball-Liga unterstellt, das gibt einen gewissen Freiraum. So dürfen wir – immer in Absprache mit den Teams – in der Kabine filmen oder einen Trainer verkabeln, damit man einmal hört, was der die ganze Zeit so aufs Feld brüllt. Dabei versuchen wir immer, den Spagat zwischen sachlich-sportlicher Berichterstattung und Unterhaltung hinzubekommen.

Das Konzept scheint aufzugehen. Sport 1 zeigt seit 2012 regelmäßig Spiele der Regionalligen – die Einschaltquote ist konstant gut. Warum schauen so viele Menschen Viertliga-Fußball im TV?

ForsterWir sind halt in Deutschland, Fußball läuft hier immer – auch wenn das aus der Sicht von manch anderen Sportarten bedauerlich ist. Zudem mögen die Leute wohl das Kontrastprogramm zu Bundesliga und Champions League, wo alles auf Hochglanz poliert ist – auf Amateurebene ist nicht alles perfekt, aber der Fußball ein Stück weit mehr zum Anfassen. Und die sportliche Wertigkeit ist in den Regionalligen auch gegeben – es sind ja einige klangvolle Namen zu finden.

Zwei davon sind der VfB Lübeck und der VfB Oldenburg? Was erwarten Sie vom Duell der früheren Zweitligisten?

ForsterEs ist der Saisonauftakt, zwei ambitionierte Teams treffen aufeinander, das Fernsehen ist live dabei. Das wird eine tolle Sache – für die Spieler und die Vereine.