Wie sah Ihre Winterpause nach diesem turbulenten Jahr aus?
SteinhausErholsam. Und tatsächlich ganz ohne Fußball. 2017 war aufregend, bewegend, überragend, großartig. Ich glaube, deshalb war es wichtig, über die Feiertage abzuschalten, um mit Elan wieder starten zu können.
Wie und wo haben Sie sich erholt?
SteinhausGanz im Familienkreis. Mein Partner...
...der frühere WM-Schiedsrichter Howard Webb...
Steinhaus... kommt ja aus England, so dass ich über die Feiertage in den Genuss der englischen Weihnachtstraditionen gekommen bin.
Wie hat sich Ihr Leben durch den Aufstieg in die Bundesliga verändert?
SteinhausGar nicht so sehr. Die Medienaufmerksamkeit ist natürlich deutlich größer, aber ich kann immer noch entspannt im Supermarkt einkaufen. Aber meine Trainingsintensität hat sich verändert und auch die Balance zwischen Aktion und Regeneration. Ich gehe sehr bewusst mit meinem Körper um.
Wie schaffen Sie es eigentlich, die gleichen Leistungstests wie die männlichen Spitzenreferees zu bestehen?
SteinhausIch trainiere inzwischen sehr viel effektiver als früher. Ich mache ganz viele Sprinteinheiten, Intervalltraining, natürlich auch Kraft- und Ausdauertraining. Ja, bei mir gelten die gleichen Maßstäbe – was aber nur fair meinen Kollegen gegenüber ist: Wir wollen ja die gleichen Spiele leiten. Mitzuhalten erfordert ein sehr intensives Training von mir. Ich habe auch ein paar Schiedsrichter-Kollegen, mit denen ich in Hannover um den Maschsee laufe. Und meine Polizeikollegen sind ebenfalls hervorragende Trainingspartner.
Sie hatten vier Einsätze in der Bundesliga-Hinrunde. Nur?
SteinhausNein, das ist für einen Neuling ganz normal. Wir Aufsteiger werden in unserer ersten Saison wohl so acht, neun Spiele leiten. Das ist auch ausreichend. Ich genieße einfach jeden Einsatz. Für mich ist es immer noch ein wenig unfassbar, wenn ich als Schiedsrichterin in einem Bundesliga-Stadion stehen darf – da habe ich Gänsehaut.
Kritik gab es nach ihren Einsätzen kaum. Aber zum Beispiel den Vorwurf von zuviel Nähe, weil Sie Kölns Stürmer Claudio Pizarro mit Küsschen im Kabinengang begrüßt haben. Zu Recht?
SteinhausErstmal freut es mich, dass es bislang wirklich wenig Nebengeräusche gab. Aus Schiedsrichter-Sicht gab es im Rückblick betrachtet vielleicht das eine oder andere, was ich anders hätte machen können, aber ich glaube, das ist ganz normal in so einer Entwicklung. Das entscheidende Kriterium ist das Fachliche auf dem Rasen. Und das hat bislang recht gut gepasst.
Was sind Unterschiede zwischen 1. und 2. Liga?
SteinhausTatsächlich ist die Bundesliga in ihrer Dynamik und Schnelligkeit noch mal deutlich anspruchsvoller. Wenn es da in die Spitze geht - dann mit Vollgas. Außerdem ist die Nettospielzeit deutlich höher. Für mich als Schiedsrichterin ist ein Spiel in der Bundesliga etwas einfacher zu lesen. Die Strukturen und Spielsysteme sind da klarer: Wo geht der nächste Pass hin, wo der übernächste.
Ein Dauerthema ist das Thema Videobeweis. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
SteinhausIch bin ein Fan des Videobeweises. Alles, was den Fußball gerechter macht, kann nur hilfreich sein. Auch für uns Schiedsrichter. Eine hundertprozentige Gerechtigkeit wird es nicht geben. Dass in der Hinrunde noch etwas Sand im Getriebe war, ist bei technischen Neuerungen häufig so.
Was muss verbessert werden?
SteinhausDie Vergleichbarkeit muss gegeben sein. Es muss für den Zuschauer transparent sein, warum der Schiedsrichter so oder so entscheidet.
Wann sollen die Videoassistenten eingreifen?
SteinhausDas ist müßig, darüber zu diskutieren, weil die Fifa und das Ifab ganz klar vorgeben, in welchen vier Situationen der Videoassistent überhaupt eingreifen darf: nämlich bei der Torerzielung, bei Elfmetern, Roten Karten und Verwechslung eines Spielers. Man darf nicht vergessen: Wir machen das ja in Deutschland nicht völlig alleine und isoliert. Das ist ein weltweites Projekt.
