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NWZonline.de Sport Fußball

Regierung hält türkischen Fußball am Leben

26.09.2018

Istanbul Als wichtigsten Zugang dieser Saison stellte der türkische Spitzenklub Besiktas Istanbul Ende August einen Mann vor, der vor Wochen durch zwei schwere Patzer weltberühmt geworden war: Loris Karius, beim FC Liverpool nach den Fehlern im Finale der Champions League gegen Real Madrid auf die Bank verbannt. Früher hatte sich Besiktas gerne mit schillernden Namen verstärkt.

Der Wechsel steht geradezu exemplarisch für die Lage des türkischen Fußballs, symbolisiert er doch, mit welchen Problemen die Süper Lig zu kämpfen hat. Einst träumte die höchste Spielklasse des Landes davon, sich auf Augenhöhe mit den großen Ligen Europas zu messen.

Doch die Realität kurz vor der Entscheidung über die Bewerbungen Deutschlands und der Türkei für die EM 2024 an diesem Donnerstag ist eine andere: Längst haben die türkischen Clubs den Anschluss an Europas Spitze verloren.

Die schwierige Wirtschaftslage des Landes und die Währungskrise haben die ohnehin prekäre Lage verschärft. Rund 40 Prozent ihres Wertes hat die türkische Lira seit Anfang des Jahres zum Euro verloren. Ehemalige Topstars wie Lukas Podolski oder der Holländer Robin van Persie, die sich ihr Engagement in der Türkei einst ordentlich vergüten ließen, sind so für die Clubs am Bosporus praktisch unerschwinglich geworden. Den Torhüter Karius hat Besiktas für zwei Jahre ausgeliehen.

Emir Güney, Direktor des Zentrums für Sportstudien der Kadir-Has-Universität in Istanbul, sagt sogar: „Alle Clubs sind bankrott.“ Einem Bericht der regierungsnahen türkischen Zeitung Sabah zufolge stiegen die Schulden der vier großen Clubs – Besiktas, Galatasaray, Fenerbahce und Trabzonspor – auf fast zehn Milliarden Lira. Also rund 1,4 Milliarden Euro.

„Es ist die einzige Liga Europas, in der das Vermögen der Clubs kleiner ist als ihre Schulden und Verpflichtungen“, sagt der britische Journalist Patrick Keddie, der über den türkischen Fußball das Buch „The Passion“ geschrieben hat. Wie Güney ist der Autor davon überzeugt, dass das ganze System nur durch das Wohlwollen der türkischen Regierung am Leben gehalten wird. Etwa durch Steuerschulden, die gestundet werden. Was im Umkehrschluss bedeutet: Sollte die Regierung der Liga ihre Unterstützung entziehen, bräche der türkische Fußball zusammen.

Mit einem Liebesentzug der türkischen Führung ist jedoch nicht zu rechnen, nicht nur weil Präsident Recep Tayyip Erdogan – der als junger Kicker den Spitznamen „Imam Beckenbauer“ trug – wie so viele Türken ein leidenschaftlicher Fan ist. Politik und Volkssport Fußball sind in der Türkei aufs Engste miteinander verwoben.

Die Regierung war es auch, die überall im Land Stadien bauen ließ und lässt, mehr als 30. So spielt etwa Besiktas in einer brandneuen Arena für rund 42 000 Zuschauer. Drei weitere Stadien will der Verband für die EM neu oder umbauen lassen, darunter das Istanbuler Olympiastadion für 85 000 Zuschauer.

Die Liga selbst hat in den vergangenen Jahren einen Zuschauerschwund erlebt. Dabei sind es nicht zuletzt die Fans, die den türkischen Fußball ausmachen und jedes Stadion in einen Hexenkessel verwandeln.

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