ISTANBUL - Der berühmt-berüchtigte Hexenkessel blieb am vergangenen Wochenende kalt: Nur wenige hundert Zuschauer fanden den Weg in die 3500 Zuschauer fassende Ayhan Sahenk Arena in Istanbul. Galatasaray, Tabellenzweiter der türkischen Basketball-Liga, hatte den Abstiegskandidaten Erdemir zu Gast. Ein Qualitätsunterschied zwischen den Teams war allerdings nicht zu erkennen. Galatasaray, an diesem Dienstag Gastgeber der EWE Baskets Oldenburg in der Euro-Challenge, gewann mit 73:71 und festigte den zweiten Platz hinter Rekordmeister Efes Pilsen Istanbul.

So nah an einem Titel war das Basketball-Team von Galatasaray schon lange nicht mehr. Die letzte Meisterschaft feierten die Gelb-Roten 1990, seitdem träumen die Fans vom fünften Meistertitel.

Galatasaray blickt auf eine lange Historie zurück. 1911 gegründet, ist es das älteste Basketball-Team in der Türkei. Auch in Deutschland sorgte der finanzstarke Club für Schlagzeilen. Als Retter vom Bosporus kaufte sich Galatasaray 1989 als Sponsor beim bankrotten Kölner Bundesligisten ein, um sich in Europa bekannter zu machen und in der Kölner Zweigstelle türkische Spieler einem starken Wettbewerb auszusetzen. Doch nach wenigen Monaten war die Ära von „Galatasaray Köln“ zu Ende, die versprochenen Zahlungen blieben aus.

In den 90er-Jahren erlebte der türkische Basketball einen Boom. Vor allem durch die Erfolge von Efes Pilsen (Sieger Korac-Cup 1996, mehrmaliger Final-Four-Teilnehmer in der Euroleague) und der Nationalmannschaft (Vize-Europameister 2001) stieg Basketball hinter Fußball zur zweitbeliebtesten Sportart auf. Auch wenn in den Schulen oder auf den Straßen Basketball zum Alltagsbild gehört – der Fanansturm ist ausgeblieben. Nur die Begegnungen zwischen den Großclubs Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas ziehen tausende Fans in die Hallen – die Rivalität aus dem Fußball wird im Basketball fortgeführt.

Obwohl das Aus in der Zwischenrunde der Euro-Challenge bereits feststeht, haben die Vereinsbosse von Galatasaray noch einmal tief in die Tasche gegriffen. Der Amerikaner Quinton Hosley kam jüngst von Real Madrid, außerdem wurde der ehemalige Bremerhavener Anthony Tolliver verpflichtet, ebenfalls ein Amerikaner. Tolliver brachte es in dieser Saison auf immerhin 19 Einsätze beim NBA-Club San Antonio Spurs, schaffte dort allerdings nicht den Durchbruch. Gegen Erdemir glänzte vor allem Hosley mit 20 Punkten. Tolliver zeigte mit acht Punkten und acht Rebounds seine Stärken in Offensive und Defensive.