ISTANBUL/ZüRICH - ISTANBUL/ZÜRICH/SID/DPA - Blumen statt Prügel: Knapp eine Woche nach dem Skandalspiel im Sükrü-Saracoglu-Stadion zwischen der Türkei und der Schweiz will Fenerbahce Istanbul mit Fußball-Trainer Christoph Daum an gleicher Stelle in der Champions-Liga heute gegen den AC Mailand das Ansehen des Landes wieder aufpolieren. „Das, was vor einer Woche passiert ist, war nicht typisch für die Türkei. Wir werden Europa und der ganzen Welt zeigen, dass in diesem Land Gastfreundschaft groß geschrieben wird“, sagte Daum.

Der Club hatte eine Delegation aus drei Vize-Präsidenten zum Flughafen geschickt, um die Mailänder bei ihrer Ankunft mit Blumen zu empfangen. Die Flughafen-Behörden wurden angewiesen, für eine schnelle Abfertigung zu sorgen. Für die Fahrt zum Hotel wurde den Italienern eine Eskorte bereit gestellt.

Milan ließ sich dennoch von eigenem Sicherheitspersonal begleiten. Trainer Carlo Ancelotti geht mit einem mulmigen Gefühl in die Partie. „Es kann nicht sein, dass wir in einer Art Kriegszustand spielen“, erklärte Ancelotti. Den Schweizer Kapitän Johann Vogel, der sich vor einer Woche wie zahlreiche seiner Teamkollegen Blessuren zugezogen hatte, ließ er als Vorsichtsmaßnahme daheim.

Unterdessen überlegt Fifa-Chef Joseph Blatter, risikoreiche Spiele generell auf neutralem Boden austragen zu lassen. Außerdem erwägt der Präsident des Fußball-Weltverbandes, auf Nationalhymnen vor Länderspielen zu verzichten. „Das war eine derartige Respektlosigkeit und eine Verletzung des nationalen Stolzes. Ich frage mich, ob es überhaupt noch Sinn macht, Nationalhymnen abzuspielen“, sagte Blatter nach den Pfiffen vor den Spielen in Bern und Istanbul. Wenn sich Nationalismus sowie Leidenschaft und Emotionen paarten, entstehe offenbar eine explosive Situation, meinte der Schweizer.

Die Fifa hat derweil Funktionäre und Spieler beider Länder für kommende Woche nach Zürich geladen. Dann sollen Verbandsvertreter, Nationaltrainer und die Spieler angehört werden, die sich an den Krawallen beteiligt hatten. Dazu gehören auf türkischer Seite Alpay Özalan (1. FC Köln), Torwart Volkan Demirel und Emre Belözoglu. Auf Schweizer Seite sind es die Bundesliga-Profis Benjamin Huggel (Eintracht Frankfurt), Raphael Wicky (Hamburger SV) sowie Johann Vogel, Valon Behrami und Stephane Grinchting.