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NWZonline.de Sport Fußball

Jüngste Spielerin macht nur kurz Karriere

27.05.2011

OLDENBURG Manchmal fragt sich Claudia Lübbers schon, was alles hätte anders werden können in ihrer Fußballkarriere. Mit 16 Jahren und 99 Tagen bestritt sie 1994 ihr erstes Länderspiel (schoss sogar ein Tor) und ist damit noch heute die jüngste deutsche Nationalspielerin. Zu einer glanzvollen Laufbahn kam es aber nicht. Schon 1996 war Schluss mit der Auswahl, nach nur acht Länderspielen (zwei Tore). Ihre Geschichte erzählte die Ostfriesin am Donnerstag in der Landesbibliothek Oldenburg anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Zarter Fuß an hartem Leder“ über die Geschichte des Frauenfußballs.

Zu ihrem 37 Minuten langen Debüt beim 11:0 gegen die Schweiz kam Lübbers, das große Talent des Regionalligisten (damals zweithöchste Liga) SV Wilhelmshaven, eher unverhofft. Bei einem U-20-Turnier war sie Bundestrainer Gero Bisanz aufgefallen. Im A-Team begegnete sie allen Größen: Silvia Neid, die heutige Bundestrainerin, Bettina Wiegmann, Heidi Mohr und die auch erst 16-jährige Birgit Prinz, die zwar heute fast alle deutschen Rekorde hält, aber eben nur als zweitjüngste Länderspiel-Torschützin geführt wird.

„Ich will nicht angeben, aber von manchen Leuten wurde ich höher gehandelt als Birgit Prinz“, sagt sie. Doch die Ausbildung nach dem Abitur machte ihr einen Strich durch die Rechnung. „Mit meinem Arbeitgeber war abgesprochen, dass ich frei bekomme. Doch dann kam ich von einem Länderspiel und habe festgestellt, dass mir die Tage vom Urlaub abgezogen worden waren.“ Bis zu 90 Tage jährlich wäre sie unterwegs gewesen. Die Auswahlkarriere war beendet: „Ich musste nicht lange überlegen.“

Ausbildungen gehen vorbei. Danach aber musste sie – inzwischen bei SuS Timmel in der Regionalliga – echte Schicksalsschläge verkraften: 2000 starb ihr Vater, ein Jahr später ihre Mutter. „Meine größten Förderer. Das war ein dicker, fetter Knacks.“ Zwei Jahre sagte sie sich vom Fußball los.

Danach war der Bundesliga-Zug endgültig abgefahren. In jungen Jahren waren die Anfragen bei ihrem Vater, „meinem Manager“, gelandet. Wolfsburg, Siegen, Hannover und der Hamburger SV hatten Interesse, erinnerte sie sich. „Ich hätte mehr selber entscheiden sollen.“ Vielleicht sei sie zu naiv gewesen: „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wenn ich mir Spiele ansehe.“

Ausgestattet mit Technik, Dynamik und „Auge“ hätte Lübbers in viele Erstligateams gepasst. Beruf, Familie und das Haus hielten sie in der Heimat. Und bei SuS Timmel begannen ihre Knieprobleme unerträglich zu werden: Knorpelschaden auf beiden Seiten. „Aber ich habe sie weiterbelastet, Fußball war immer meine Leidenschaft.“ 2004 wurde Lübbers Spielertrainerin bei SuS II, 2005/06 half sie wieder in der Ersten aus.

Jetzt geht es ihr besser, wenn auch die Behandlungen nicht abgeschlossen sind. Längst hat die 32-Jährige mit neuen Lebensabschnitten begonnen: Tochter Lenja ist acht Monate alt, bald wird geheiratet. Dem Fußball ist Lübbers als Staffelleiterin im Kreis Aurich weiter verbunden.

Mit 150 Gästen wurde am Donnerstag in der Landesbibliothek Oldenburg die Ausstellung „Zarter Fuß an hartem Leder“ über die Geschichte des Frauenfußballs eröffnet. Auch der Film zur Ausstellung, in dem sich viele Gäste wieder erkannten, hatte Premiere. Die Ausstellung endet am 30. Juli.

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