Madrid/Mainz - Er versuchte es wirklich. Er wollte ruhigbleiben. Er schüttelte anfangs Oliver Kahn und ZDF-Moderator Jochen Breyer freundlich die Hand und analysierte erst einmal sachlich, dass ihm „das taktische Verhalten“ seiner Mannschaft am Mittwochabend nicht gefallen habe. Am Tag darauf aber musste der ZDF-Sportchef intervenieren, Breyer äußerte sich selbstkritisch und Jürgen Klopp beschwichtigte: „Wer mich kennt, weiß, dass ich an so was nicht lang knabbere.“
„Die Sache ist erledigt, ich habe mit Jürgen Klopp telefoniert. Er ist halt ein sehr emotionaler Mensch“, sagte Dieter Gruschwitz am Donnerstag. Nach dem 0:3 von Borussia Dortmund im Viertelfinal-Hinspiel der Fußball-Champions-League bei Real Madrid wagte ZDF-Mann Breyer die Frage: „Die Sache ist durch, oder Jürgen Klopp?“ Stille. Der BVB-Coach schaute den Fragesteller an und sagte: „Wie könnte man mir Geld überweisen für meinen Job, wenn ich heute hier stehen würde und sagen: die Sache ist durch? Das wäre genauso doof, wie wenn ich sagen würde, wir hauen die sicher weg.“
Der frühere ZDF-Experte Klopp hatte sich zuletzt schon mit dem aktuellen ZDF-Experten Kahn und einer Reporterin des Senders verbale Auseinandersetzungen geliefert. „Auf doofe Fragen kann ich schon auch doof antworten, wie wir alle wissen“, polterte Klopp, fragte in bester Trapattoni-Manier: „Sind wir fertig?“, legte das Mikro unsanft ab und ging.
Breyer meinte am Donnerstag, „dass das schon eine dämliche Frage war“. Gruschwitz verteidigte den 31-jährigen Sportstudio-Moderator: „Man hätte die Frage anders formulieren können, aber inhaltlich war das völlig okay.“
Unterdessen haben spanische Medien den Dortmunder Auftritt in Madrid süffisant kommentiert. „Dieser BVB war nur ein entfernter Verwandter der großen Borussia der vorigen Saison“, urteilte die Zeitung „El Pais“. Mit Genugtuung wurde auf der iberischen Halbinsel registriert, dass dem BVB selbst ein 4:1 wie im letztjährigen Halbfinale nicht reichen würde, um Real am Einzug ins Semifinale zu hindern. „Daran wird auch ein Lewandowski im Bündnis mit den Sternen nichts ändern“, stellte „As“ fest. Der am Dienstag gelbgesperrte Robert Lewandowski ist im Rückspiel am kommenden Dienstag (20.45 Uhr) wieder dabei. Das Spiel wird übrigens nur vom Bezahlsender Sky gezeigt – Jürgen Klopp dürfte es freuen.
