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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Von Jena über Afrika-Cup in die Pfalz

22.06.2019

Kairo Auf dem Wochenendprogramm von Manfred Starke hätte dieser Tage eigentlich Sightseeing gestanden. Die berühmte Sagrada Familia, die Shoppingmeile La Rambla, vielleicht auch ein Bade-Ausflug zum Stadtstrand. Doch den geplanten Barcelona-Urlaub mit seiner Freundin musste der 28-Jährige kurzfristig absagen. Stattdessen startet er an diesem Sonntag mit seinem Heimatland Namibia in den Afrika-Cup in Ägypten.

Von seiner Nominierung für die Kontinentalmeisterschaft hat Starke erst aus der Presse erfahren. „Mein Vater wurde zwar vorher schon in Namibia darauf angesprochen, doch mit mir gab es keinen Kontakt“, sagte der gerade von Carl Zeiss Jena zum 1. FC Kaiserslautern gewechselte Drittliga-Profi dem Magazin „Kicker“: „Ich musste dann spontan umplanen. Aber dafür nehme ich es gerne in Kauf, den Urlaub nicht antreten zu können.“ Statt des gemütlichen Stadtbummels in Kataloniens Metropole stand für ihn plötzlich ein Trainingslager in Dubai auf dem Plan.

Starke ist in Windhoek geboren, der Hauptstadt der früheren deutschen Kolonie Namibia. Vater Richard war selbst Fußballtrainer, über dessen Kontakte landete der Sohn im Alter von 13 Jahren im Internat von Hansa Rostock. Dort reifte Manfred Starke zum Profi. Nach fünf Zweitliga-Einsätzen bestritt der flexibel einsetzbare Offensivspieler für Hansa und später Jena 108 Drittliga-Spiele.

Bereits 2012 hatte Starke für die Nationalmannschaft Namibias debütiert, zu regelmäßigen Einsätzen kam es aber nicht. Vor sechs Jahren habe er die Einladung zu einem Lehrgang ausgeschlagen, um die Saisonvorbereitung mit Rostock nicht zu verpassen, erzählt er: „Das nahm man mir übel.“ Nun ist Starke zurück im Team – und erzielte im Vorbereitungsspiel gegen Ghana auch prompt den 1:0-Siegtreffer.

Starke genießt die Einsätze für Namibia spürbar. Gemeinsam mit Schwester Sandra, selbst Fußball-Profi in Deutschland und Torjägerin des Bundesligisten SC Freiburg, nahm er einst sogar schon an einer U-18-Weltmeisterschaft teil – im Faustball. Vor allem die Besonderheiten der afrikanischen Kultur reizen Starke. „In der Kabine wird gesungen und getanzt, das ist der helle Wahnsinn“, berichtet er: „Es ist einfach mitreißend, obwohl ich selbst jetzt nicht der große Tänzer bin.“

Kommunizieren kann Starke mit seinen Teamkollegen auf Afrikaans oder Englisch, mit Co-Trainer Collin Benjamin, einst beim Hamburger SV, auch auf Deutsch. Verständigt hat man sich auf das sportliche Ziel: „Alles kann, nichts muss“. Im ersten Gruppenspiel in Kairo gegen Marokko (16.30 Uhr) ist Namibia Außenseiter, wie auch in den weiteren Partien gegen Südafrika und die Elfenbeinküste.

Am Afrika-Cup nehmen 24 Mannschaften teil. Das Finale findet am 19. Juli statt, als Turnierfavoriten gilt Gastgeber Ägypten. Gute Chancen auf den Triumph haben auch Nigeria (mit Trainer Gernot Rohr), der Senegal, Titelverteidiger Kamerun und die Elfenbeinküste.

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