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NWZonline.de Sport Fußball

Kampagne gegen die Schwerkraft

04.01.2012

OLDENBURG Der Sport ist die Welt der einfachen Weisheiten. Etwa: Was ist das Geheimnis für Erfolg im Fußball? Du musst deinem Gegenspieler einen Knoten in die Beine spielen, bevor er das mit dir macht. Oder: Warum ist die Körper-Zauber-Schau „Feuerwerk der Turnkunst“ zur größten ihrer Art in Europa geworden? Weil ihre Asse die Schwerkraft einfach links liegen lassen. Um die Jahreswende beweisen sie das zum 25. Mal, auch in Wilhelmshaven (5. Januar) und in Oldenburg (6. und 7. Januar, alle Vorstellungen ausverkauft).

Ein Wortführer in der Kampagne gegen die Schwerkraft war Dominic Lacasse. Der hisste sich einst selbst als Flagge an der Vertikalstange und flatterte lässig im Wind. Oder die Kanadier der Gruppe „Catwall“. Die schwirrten schwerelos an Hauswänden hoch, segelten durch Stockwerke. Oder die „Zimbabwe-Brothers“ an den Vertikalstangen. Oder die „Aomori University“ aus Japan mit ihrer so noch nie gesehenen Rhythmischen Sportgymnastik.

Es wird ein Erinnern ohne Ende. An Überschläge, an Kraft- und Drahtseilakte, an Reckdressuren, an Schleuderorgien, an Tanz- und Ballettkunst, an Clownerien, an besinnliche Momente inmitten von Nervenkitzel. Wenn Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold betont, „dass inmitten aller Show das Turnen unsere Grundlage bleibt“, dann fußt das ganze „Feuerwerk“ tatsächlich auf einem turnerischen Element: einem Spagat zwischen Idee und künstlerischer Ausführung.

Für den Brückenschlag ist seit 1993 Heidi Aguilar als Regisseurin zuständig. Das ist eine harmlose Bezeichnung für die schöpferische und praktische Arbeit der 51-Jährigen. Einige Maximen prägen ihr Vorgehen. Erstens: „Es gibt nie altmodische und brandneue Teile, es gibt nur passende und unpassende.“ Zweitens: „Es gibt keinen ständigen Gipfelsturm, sondern weite Entwicklungen aus der Ruhe heraus.“ Drittens: „Keine noch so spektakuläre Einzelnummer darf die Harmonie des Ganzen zerstören.“ Viertens: „Wir vergleichen nie eine Show mit der anderen.“

„Catwall“ tritt bei der 25. Auflage erneut an, auch die „Aomori“-Formation. Die Japaner schlagen den Bogen zum Anfang. Unter dem Titel „Turnkunst Fernost“ bot der Niedersächsische Turnerbund im Dezember 1988 in der Hannoveraner Stadionhalle 3000 Besuchern ungewöhnliche Anregungen für die Vereinsarbeit. In der japanischen Gruppe Kokushikan wirkte damals Naka Yoshimitsu mit – das ist der heutige Trainer von „Aomori University“.

Aus dem „Äppelkahn“ ist längst ein Kreuzfahrtriese geworden, der in den größten deutschen Städten anlegt. Rosemie, die auch 2012 wieder Alphorn und Tuba spielende Turnschwester, spürte bei ihrer ersten Moderation schnell den Unterschied zwischen Riesenhallen und nicht ganz so großen: „In Bremen kam das Gelächter von den steilen Rängen in drei Etappen. Da musste ich derber sein als etwa in Oldenburg.”

Die Moderation steht für viele Wandlungen. Anfangs trat Reck-Weltmeister Andreas Aguilar als biederer Hausmeister auf und zeigte den Assen lässig einige Übungsteile. Später ging es mal ganz ohne Moderation, etwa als die A-Cappella-Sänger von „maybebop“ mit „O Täler weit, o Höhen“ und Michael-Jackson-Hits durchs Programm lenkten. Manche Show-Karriere nahm ihren Anfang bei der Turnkunst, von Heath Hunter mit dem Titelsong von 1997 „Revolution in Paradise“ bis zu David O’Mer mit seinem Badewannen-Kraftakt.

Hugo Noël erfand seinen „Cyr-Ring“. Der sieht aus wie ein halbes Rhönrad. Die „Bikers“ funktionierten Lastwagen-Schläuche zu Sprungfedern um. Ein Sofa diente dem „National Danish Performance Team“ als Trampolin. Raphael Fréchette nutzte für seinen Slapstick einen Gummibarren. Die Chinesin Jia-Jia brauchte gar kein Gerät. Sie tanzte auf dem Kopf ihres Partners auf Zehenspitzen.

Offiziell hat kein Zuschauer gehört, wie „Autsch“ etwa auf Chinesisch, Taiwanesisch oder Afrikaans klingt. Ein Fersenbruch bei einem Trampolinspringer war die heftigste Verletzung. Sonst ist im Programm zwischen Himmel und Erde nie etwas passiert.

 @ Mehr Infos unter http://www.NWZonline.de/feuerwerk-turnkunst

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