München/Oldenburg - Noch einmal mit dem Laster über den Borsigplatz fahren und sich ein letztes Mal von Zehntausenden Fans frenetisch feiern lassen – diesen großen Wunsch äußerte Jürgen Klopp auf seiner viel beachteten Abschieds-Pressekonferenz bei Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund. Der Traum des Kult-Trainers, zum Abschluss seiner siebenjährigen Erfolgs-Ära in Schwarz und Gelb mit den Anhängern einen Titel zu bejubeln, steht seit Dienstagabend kurz vor der Erfüllung.
Dieses Mal spielte der Rekordmeister aus München nicht Schicksal für den BVB und seinen Trainer. Klopp hatte beim 3:1-Sieg nach Elfmeterschießen im Pokal-Halbfinale erst keine Lösung gegen die Bayern-Dominanz gefunden, am Ende aber das Glück auf seiner Seite.
Der Trainer hatte noch einmal alles in die Waagschale geworfen. Auf „Krawall gebürstet“ sei er, hatte Klopp betont und vor der Partie Blumen des FC Bayern zu seinem Abschied abgelehnt. „Ich bin nicht in Abschiedsstimmung. Zudem will ich nochmal wiederkommen – egal mit welchem Club“, sagte Klopp kurz vor dem Anpfiff in der ARD.
Auch die Gerüchte um Eheprobleme mit seiner Frau Ulla und ein angebliches Verhältnis mit einer Spielerfrau hatte Klopp noch am Montag kurzerhand im Keim erstickt. „So ein Gerücht, das könnte man direkt wieder ad acta legen“, hatte der 47-Jährige erklärt und betont, dass er seine Frau „vom ganzen Herzen“ liebe – um sich dann voll auf Fußball konzentrieren zu können.
Die Duelle zwischen den Bayern und den Dortmundern gelten seit Jahren als der deutsche Klassiker – auch ein Verdienst von Klopp, der den BVB so groß machte, dass er zu einem echten Rivalen auf Augenhöhe für Bayern wurde.
Allein seit dem 26. Februar 2011, als der BVB beim 3:1 in München eine Glanzleistung zeigte und später Meister wurde, trafen die Teams in Bundesliga, DFB-Pokal, Supercup und Champions League insgesamt 17mal aufeinander. Mit dem Erfolg vom Dienstag coachte Klopp den BVB achtmal zum Sieg, siebenmal ging er als Verlierer vom Feld. Zweimal gab es ein Remis.
Zwei Niederlagen dürften Klopp besonders schmerzhaft in Erinnerung geblieben sein. Das 1:2 im Champions-League-Finale 2013, als Arjen Robben in der 89. Minute zum Bayern-Sieg traf. Und das 0:2 nach Verlängerung im Pokalfinale der vergangenen Saison, als dem BVB in der regulären Spielzeit ein reguläres Tor von Mats Hummels zu unrecht aberkannt wurde.
Am Dienstagabend kam neben dem 5:2 im Pokalfinale 2012 wohl Klopps größter Sieg im ewigen Duell hinzu.
