Dortmund - Kurz vor dem Abpfiff erhoben sich die Zuschauer von den Sitzen und ließen Jürgen Klopp doch noch hochleben. Lautstark skandierten die Fans den Namen des Trainers, der Borussia Dortmund am Ende dieser Saison verlassen wird. „Das war wohl in der 88. Minute. Klar ist das schön. Aber ich kann mich als Mensch nicht jede Woche darauf einlassen“, sagte der 47-Jährige.

Nach dem „superwichtigen“ 3:0 (0:0) gegen den Aufsteiger und Abstiegskandidaten SC Paderborn lobte Klopp drei Tage nach Verkündung seiner Entscheidung die Fans für ihre emotionale Zurückhaltung vor und während der Partie. „Es war richtig gut, dass die Leute sich auf den Fußball eingelassen haben. Das hat die Mannschaft gebraucht.“

Einen Schutzpanzer werde er sich zulegen bis zum endgültigen Abschied beim Saisonfinale am 23. Mai im Heimspiel gegen Werder Bremen. „Wir können doch nicht jeden Spieltag den Trainer verabschieden. Ich konzentriere mich auf die Spiele“, ergänzte Klopp erleichtert, denn mit dem Dreier in seinem 233. Bundesliga-Spiel auf der Dortmunder Trainerbank dürfte sich der BVB endgültig aus dem Abstiegskampf verabschiedet haben.

Schon in einer Woche kommt Eintracht Frankfurt, und dann wolle man sehen, so Klopp, dass der Abstand nach oben nicht zu groß wird. Neben dem Einzug ins Pokalfinale hat er offensichtlich den Traum von der Qualifikation für die Europa League als versöhnlichen Abschluss einer verkorksten Saison noch nicht aufgegeben.

Mit 21 Punkten ist der BVB Fünfter der Rückrunden-Tabelle, erstmals seit dem 24. September vergangenen Jahres steht der deutsche Vize-Meister wieder auf einem einstelligen Tabellenplatz.

Den zehnten Sieg der laufenden Spielzeit musste sich der BVB jedoch hart erarbeiten. Pfiffe begleiteten die Schwarz-Gelben zur Pause in die Kabine. Denn erneut kreisten sie um das Abwehrbollwerk der Gäste, Erinnerungen an einige Heimspiel-Niederlagen zuvor wurden wach. „Wenn man Paderborn nicht respektiert, ist klar, dass es schwer wird“, resümierte Klopp.

Nach dem Wiederanpfiff ging bei den Borussen „der Knopf auf“ (Klopp), als Henrich Mchitarjan (47.) das erlösende 1:0 erzielte. Der 13. Saisontreffer von Pierre-Emerick Aubameyang (55.) und das Tor von Shinji Kagawa (80.) waren die logische Folge. „Wir haben wie befreit und richtig guten Fußball gespielt. Das sah gut aus“, lobte der BVB-Coach.

Paderborns Trainer André Breitenreiter genoss den Auftritt vor den 80.667 Zuschauern in der ausverkauften Arena, der größten Kulisse in der Geschichte der Ostwestfalen, und hatte sich schnell mit der Niederlage abgefunden. „Wenn der Express des BVB einmal ins Rollen kommt, ist er nicht mehr aufzuhalten“, sagte er. Immerhin habe seine Mannschaft bis zum 0:1 kompakt gestanden.

Die Punkte im Abstiegskampf muss Paderborn in erster Linie zu Hause holen. Am nächsten Sonntag kommt Werder Bremen, und da erhofft sich Breitenreiter auch ein wenig mehr Glück.

In Dortmund wird Klopp auch in den verbleibenden maximal sieben Saisonspielen mit Abschiedsgefühlen leben müssen. „Der Tag wird kommen, an dem ich merke, wie sehr ich das alles hier vermissen werde“, sinnierte der BVB-Coach.