KöLN - Die Dominanz des spanischen Fußballs ist ein Fakt, auch für Joachim Löw. „Spanien ist das Maß aller Dinge, nach wie vor. Nicht nur in der Nationalmannschaft, auch im Vereinsfußball“, sagte der Bundestrainer, blies aber gleichzeitig zur Attacke: „Wir wollen irgendwann auch sportlich die Nummer eins ins Europa sein.“

Seinen Mut zur Offensive begründete Löw mit einer veränderten Einstellung. „Meine Ansprüche sind extrem gestiegen, ich hänge die Messlatte viel höher als früher“, sagte der 51-Jährige. Er räumte ein, dass sein verschärftes Auswahlverfahren für einige Akteure durchaus problematisch sein könnte. „Das ist für meine Spieler nicht immer einfach. Ich weiß jetzt, wie gut man sein muss. Diesen Anspruch werden nicht alle unsere jungen Spieler erfüllen“, erklärte Löw.

Auf dem Alten Kontinent sieht der Schwabe den deutschen Vereinsfußball hinter Spanien und England weiter auf Position drei. Hoffnung mache Löw in diesem Zusammenhang der neue deutsche Meister. „Ich glaube, dass Borussia Dortmund im nächsten Jahr international einen Schritt weiter ist“, sagte Löw. Bayern und Dortmund mit seiner jungen Mannschaft seien in der Lage, noch ein Stück an englische und spanische Vereine heranzukommen.

Der National-Coach nahm dabei die jungen Dortmunder Hoffnungsträger wie Mats Hummels, Sven Bender, Marc Schmelzer und Mario Götze in die Pflicht und forderte weitere Steigerungen. „Bisher waren sie ja nur bei drei, vier Länderspielen dabei. Mit dem BVB spielen sie außerdem in der Champions League, da werden sich einige Spieler auch weiterentwickeln. Den Beweis aber muss jeder Einzelne bei einem Turnier antreten“, ergänzte Löw und verwies auf prominente Vorgänger, die diesen Weg gegangen sind: „Das mussten Özil, Müller, Khedira, Boateng und Badstuber auch.“

Den nachrückenden Stars will Löw aber Zeit geben: „Man kann nicht erwarten, dass junge Spieler in der Nationalmannschaft gleich eine prägende Rolle übernehmen, das ist die Ausnahme. Özil war so ein Spieler, dem das schon nach zwei, drei Länderspielen gelungen ist.“

Löws harte Linie hat der zuletzt oft verletzte Marcell Jansen bereits zu spüren bekommen. „Ich habe ihm gesagt: Du musst jetzt im Sommer ganz konsequent was für deine Fitness tun und dann eine Saison in Hamburg professionell durchziehen – oder wir müssen auf dich verzichten“, sagte der Bundestrainer.